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Die Gastronomie ist reglementiert genug!

Die Gastronomie ist reglementiert genug! AMA und andere Organisationen bieten schon lange diverse Gütesiegel an, die der Gastronom auspreisen kann – freiwillig eben.
AMA und andere Organisationen bieten schon lange diverse Gütesiegel an, die der Gastronom auspreisen kann – freiwillig eben.

Und jährlich grüßt das Murmeltier: So sicher wie das Amen in der Kirche kommt in unschöner Regelmäßigkeit die Forderung nach einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung von Fleisch, Eiern oder Milchprodukten in der Gastronomie von abwechselnden Absendern, aktuell sind es einige politische Parteien, Landwirtschaftsvertreter oder Organisationen wie der WWF. Einhelliger Tenor: Eine solche Herkunftskennzeichnung würde zu mehr Qualität führen und sei außerdem der Wunsch vieler Verbraucher. Als ob es aktuell wegen Corona in der Branche keine anderen Sorgen gäbe, als ob der Verbraucherschutz – Stichwort Allergenkennzeichnung – nicht schon jetzt teils abstruse Ausmaße annehmen würde und also ob der durchschnittliche Gastronom nicht schon mit genügend anderen Bürokratie-Ärgernissen konfrontiert wäre.

Ein letztlich nicht näher definierter Konsumentenwunsch wird außerdem zum Anlass für die Forderung nach einer weiteren Vorschrift genommen. Dabei sollte man jedem Gastronomen als Unternehmer auch zutrauen, sein Angebot je nach Gästestruktur ausrichten zu können. Wer also jetzt schon fixe Lieferanten hat und die hohe Qualität bzw. Regionalität seiner Produkte betonen möchte, dem steht es natürlich frei, auf der Speisekarte anzuführen, dass die verwendeten Eier ausschließlich von freilaufenden, glücklichen Hühnern stammen, die Fische aus dem hauseigenen Teich und das Rindfleisch vom zehn Kilometer entfernten Bio-Bauernhof. Und auch freiwillige Qualitätsauszeichnungen wie etwa das AMA-Gütesiegel sind heute schon ein Zeichen für eine nachvollziehbare Herkunft und hohe Qualitätsstandards.

Systemgastronomie im Vorteil

Allerdings soll es auch Köche geben, die ihre Ware spontan nach Verfügbarkeit und Preis einkaufen, da stammt das Schnitzelfleisch heute vielleicht aus Österreich und morgen aus Deutschland, die Gans aus dem Burgenland oder aus Ungarn, das Steak aus den USA oder aus Argentinien. Also jedes Mal die Speisekarte umschreiben wenn der C&C-Markt ein Sonderangebot hat oder ein anderes Stück Fleisch schöner marmoriert ist? In der Systemgastronomie reibt man sich ob solcher Vorhaben bereits die Hände, dort wäre der Mehraufwand vernachlässigbar. Der Einzelgastronom dagegen hätte plötzlich mit einer weiteren Hürde zu kämpfen.

Last but not least: Wenn beim Wiener Schnitzel in Zukunft nicht nur die Allergene aufgelistet sind, sondern auch noch woher Fleisch, Eier, etc. stammen und die nächste Lobby für (auch schon wiederholt diskutierte) verpflichtende Nährwertangaben sorgt, dann werden Speisekarten endgültig den Charakter von Arzneimittel-Beipacktexten bekommen. Der Freude am Essengehen werden solche Karten indes wenig dienlich sein.

Ein Kommentar von Clemens Kriegelstein

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