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Der ökologische Fußabdruck im Visier

Der ökologische Fußabdruck im Visier


Nachhaltigkeit wird zum Dauerbrenner und wenn es um deren Umsetzung geht, dann stehen Bio, Regionalität & Saisonalität an erster Stelle. Denn sie sind die Basis für nachhaltiges Wirtschaften in allen Bereichen.


Doch was bedeutet Regionalität eigentlich genau? Eine offizielle Definition dazu gibt es nicht, aber für alle ist klar, was damit gemeint ist: Transporte mit Schiff oder Flugzeug um die halbe Welt sind zu vermeiden, die Verwendung von -möglichst saisonalen – Produkten aus der Region ist zu bevorzugen. Wenn es dann noch BIO ist, dann ist bereits ein großer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gemacht, denn Bioanbauflächen tun Mensch und Umwelt gut. BIO wiederum ist eindeutig definiert und wird mit unterschiedlichen Siegeln angeboten. Das AMA-Biosiegel ist hier der beste Garant. Und Saisonalität als selbsterklärend tritt sowieso immer mehr in den Vordergrund.


„Wir müssen Gratisparkplätze durch nachhaltige Mobilitätsangebote ersetzen und umweltschonendes Verhalten belohnen. Infrastruktur und zeitgemäße Mobilitätsangebote kosten Geld. “

Ulrich Andres, GF Österreichs Wanderdörfer


Die Bewusstseinsbildung steigt

Die Bewusstseinsbildung steigt

Gerade Gastronomie und Hotellerie können für den Nachhaltigkeitsaspekt eine Menge tun. Lebensmittelabfälle, die in die Biogasanlage wandern, haben sozusagen ein zweites Leben. Lebensmittelreste, die z.B. durch die App „to good to go“ weiterverwendet werden, kommen erst gar nicht zum Abfall. Mehrweggebinde in der Gastronomie reduzieren Müll und vermeiden Plastik, Energie effiziente Geräte sparen sowohl Strom als auch Wasser. „Gäste möchten wissen, was Du mit Deinem Wasser machst“, sagte Spartenobmann der Tourismus und Freizeitwirtschaft, Robert Seeber, beim ÖHV Kongress. Der übrigens auch Investitionszuschüsse für nachhaltige Projekte fordert.

Die Vorzugsschüler der Nachhaltigkeit

Dazu zählen jene Betriebe, die auch jetzt schon das Umweltzeichen für nachhaltiges Agieren auf mehreren Ebenen führen. In der Gastronomie ist das Biogasthaus Kolarik in diesem Bereich ein Vertreter der ersten Stunde, aktuell mit dem Siegel ausgezeichnet wurden 46 Betriebe, 20 davon aus dem Tourismus. Dieser steht nämlich ganz besonders im Fokus und für die Österreich Werbung ist „Nachhaltigkeit die neue Basis für den heimischen Tourismus“.

Eine intakte Landschaft, wie hier im Salzburgerland, ist die Grundvoraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften.
Eine intakte Landschaft, wie hier im Salzburgerland, ist die Grundvoraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften.

Auch da gibt’s Vorzugsschüler, die das schon seit Jahre praktizieren und da darf man getrost das Salzburgerland nennen. Das Land mit 60 Prozent Bio-Anbaufläche wirbt mit dem Slogan „Bioparadies Salzburgerland“ und investiert seit langem in nachhaltige Tourismusprojekte. CO2-arme Mobilität, Unterkünfte, die sowohl das Biothema als auch Emissionsreduktion und chemiefreie Bauweise umsetzen und die Alpine Küche, die auf BIO und Regionalität setzt. Auch das Einbinden lokaler Betriebe gehört zur Nachhaltigkeit: Man geht mit den Gästen nicht nur zu Bauern und Produzenten, sondern auch zu den lokalen Handwerkern – in Salzburg sind unter anderem die bekannten Trachtenbetriebe diese Aushängeschilder, in Bad Aussee geht man zum letzten Hutmacher in Österreich. Die Wertschöpfung bleibt in der Region und Betriebe damit erhalten.

Aktuell stand die vor kurzem an der FH Salzburg abgehaltene Branchenveranstaltung Brennpunkt Innovation unter dem Titel „Tourismus Goes Green“, wo namhafte Experten aus Wissenschaft und Tourismus die Zukunft desselben diskutierten. Christian Baumgartner, Leiter für nachhaltige Entwicklung im Tourismus der Fachhochschule Graubünden und einer der Referenten, fasste in seinem Referat seine Reflexionen aus 30+ Jahren Nachhaltigkeitsdiskurs zusammen: „Umweltqualität, das Wohlbefinden der Gäste, Mitarbeitenden und Einheimischen muss sich in der Erfolgsbewertung niederschlagen“.

Das Land Tirol hat mit seinem EU Projekt CLAR – Clean Alpine Region von sich aus einen Strategieprozess in Richtung green gestartet, mit dem Resultat, dass von 19 Pilotregionen, die sich für das Umweltzeichen beworben haben, allein acht aus Tirol kommen.

Weniger ist mehr

Von allem ein bisschen weniger würde schon viel ausmachen! Weniger Lebensmittelabfälle, weniger CO2-Ausstoß, weniger Treibhausgase, weniger Energieverbrauch. Auch weniger Touristen!

Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn bei allem grünen Gedanken steht Ökologie immer versus Ökonomie, was aber ein alter Hut ist. Relativ neu hingegen ist die Tatsache, dass der Gast bewusst drauf schaut und sehr wohl nachfragt, was es denn nun wirklich mit dem „Green“ im Haus auf sich hat. Nicht nur, woher das „regionale“ Produkt kommt, interessiert ihn, sondern auch, welchen Radius die Regionalität hat und wer sich ganz genau damit beschäftigt, fragt auch nach dem Futtermittel. Schummeln geht also nicht mehr und einem wenig engagierten Pseudokonzept ein grünes Mäntelchen umhängen, auch nicht. Gefragt sind durchgängige, transparente Konzepte und natürlich Label und Siegel. Wer auf ein staatliches Siegel verweisen kann, der hat sowieso gewonnen und für Gastronomie und Hotellerie gilt: Wer das Umweltzeichen auf seinem Betrieb prangen hat, darf sich getrost umweltfreundlich nennen.

Eine Umfrage der WKO, Fachverband der Hotellerie, zur aktuellen Stimmungslage ergab: Für 70 Prozent der Betriebe ist das Thema Nachhaltigkeit unverändert präsent, 18 Prozent sehen einen verstärkten Trend und Nachhaltigkeit als Buchungsgrund.

Bio-Weltmeister

Im Biovorzeigeland Österreich – nirgendwo sonst gibt es so viele Bio- Anbauflächen wie bei uns – sind die kleinstrukturierten Landwirtschaften idealer Nährboden dafür. Die Biobauern füttern und halten ihre Tiere entsprechend und schlachten auch in einem möglichst kleinem Radius. Der Gast will ein grünes Gesamtpaket – sofern er wirklich an der Umwelt interessiert ist – egal, ob in der Gastronomie oder Hotellerie. Also Anreise, Unterkunft, Verköstigung, Aktivitäten am Urlaubsort. Ein ökologischer Fußabdruck auf der Website kommt da immer gut, ebenso die Werte eingesparter Emissionen. Alternative Energien sind schon fast ein Muss und eine gute Zusammenarbeit zwischen Bauer und Gastronom eigentlich auch. Worum geht’s also? Um das feinsinnige Zusammenspiel aller Protagonisten in der Wertschöpfungskette. Wer ein Siegel hat, sollte das deutlich als Wettbewerbsvorteil kommunizieren, denn der Gast ist mündig – er schaut genau, wer seine Hausaufgaben gemacht hat.

„Südtirol, der begehrteste nachhaltige Lebensraum Europas“

Diese starke Ansage unterstreicht die Haltung eines ganzen Landes. Die 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen(SDGs) vor Augen, die bis 2030 umgesetzt werden sollen, geht man in Südtirol konkret an die Umsetzung unter Berücksichtigung der territorialen Gegebenheiten. Einige der nachhaltigen Argumente sind bereits seit Jahrhunderten fundamentaler Bestandteil der DNS der Südtiroler, weil die Lebensbedingungen in extremen Bergsituationen keine andere Möglichkeiten boten: Resilienz, Achtsamkeit für Mensch, Tier und Natur, sparsamer und gezielter Einsatz der Ressourcen, handwerkliches Geschick, Südtirol setzt darauf, nachhaltige Prinzipien anzuwenden und einzuhalten. Es gibt spezielle Klimagemeinden, ein Netzwerk für Nachhaltigkeit, die Gemeinwohlökonomie Südtirols und unzählige Gastronomen und Hoteliers, die nachhaltige Akzente setzen.

In der Südtiroler Werkstatt Mannart z. B. entstehen Unikate wie Tische, Kleiderständer und Lampen, die allesamt aus Holz der direkten Umgebung bestehen. Es ergibt sich eine bunte Produktpallette, die von Weinständern über Lampen, Regale und Skulpturen reicht. Ein Stück Natur kann so in jedem Innenraum Platz finden und eignet sich auch als kontrastreicher Gegensatz zu modernen Hotels oder gastronomischen Einrichtungen.

 

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