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Bio-Kaffee, mit gutem Gewissen


Was gibt es schöneres für einen Kaffeetrinker, als wenn der aromatische Duft von frischem Kaffee den Raum durchzieht.


Kaffeegenuss gehört zur westlichen Kultur einfach dazu, und eine Tasse davon, oder auch mehr, wird besonders gerne in der Früh getrunken. Das enthaltene Koffein sorgt für einen guten Start in den Tag und die Kaffeevielfalt ist dabei so bunt wie die verschiedenen Kaffeesorten oder Röstungen. So bevorzugen die einen malzige Aromen im schwarzen Gold, andere wiederum eine schokoladige oder gar rauchige Note. Aber gerade weil Kaffee ein Massenprodukt ist, das aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist, wollen immer mehr Konsumenten wissen, woher der Kaffee stammt und wie er produziert wurde. Auch wenn für viele Konsumenten der Geschmack und somit die Röstung im Vordergrund steht, wird Bio-Kaffee immer mehr nachgefragt.

Bio ist nicht fairtrade

Über 160 Liter Kaffee trinkt jede Person in Österreich im Jahr, das sind mehr als 2 Tassen pro Tag. Und die Nachfrage nach Kaffee steigt weltweit, doch der Anteil an Bio-Kaffee ist noch sehr klein. In Österreich sind nur rund 5 Prozent des Kaffeesortiments bio. Einen guten Ruf haben Produkte mit dem Fairtrade- Siegel, das garantieren soll, dass die Produkte fair produziert und gehandelt werden. Die Preise für die Produkte sind meist über dem jeweiligen Weltmarktpreis, damit Produzenten ein höheres und vor allem verlässlicheres Einkommen als im herkömmlichen Handel erhalten. Internationale Umwelt- und Sozialstandards sollen dabei eingehalten werden. Das Siegel sagt aber nicht automatisch, dass die Produkte biologisch produziert wurden. Kaffee war eines der ersten Produkte von Fairtrade. Inzwischen tragen aber etwa 70 Prozent des Kaffees mit dem Fairtrade-Siegel auch das Bio-Siegel. Die Kaffeebohnen dafür werden von Kleinbauern aus Asien, Afrika und Lateinamerika produziert.

Mischkultur statt Monokultur

Bio bezieht sich auf die Produktion, Fairtrade auf den Handel der Produkte. Die Grundsätze der biologischen Landwirtschaft sind vielfältig, ein Hauptpunkt ist dabei der Verzicht auf synthetische und chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Konventioneller Kaffee wird meist in großen Plantagen in Monokulturen angebaut, Biokaffee dagegen überwiegend von Kleinbauern in Mischkulturen. So wachsen die Kaffeepflanzen unter sogenannten „Schattenbäumen“ und es finden sich Bananenbäume, Avocado-, Papaya- oder Eukalyptuspflanzen in der Kultur. Das sorgt für bessere klimatische Bedingungen für die Kaffeepflanzen, denn gerade diese haben mit dem Klimawandel zu kämpfen. Der Boden bleibt feuchter und wird vor Erosion geschützt, die Kaffeepflanzen bekommen mehr Schatten. Gerade in trockenen Gebieten ist das ein Vorteil und weniger Wasser wird für die Bewässerung benötigt. Durch das langsamere Reifen der Bohnen steigt die Qualität der Ernte. Auch der Schädlingsdruck in Mischkulturen ist geringer, Nützlinge haben die Chance, sich anzusiedeln und zu überleben. So ist es möglich, ohne Schädlingsbekämpfungsmittel Kaffee zu produzieren, und auch die Biodiversität in den Anbaugebieten zu erhalten. Monokulturen dagegen verdrängen die Regenwälder, der Boden benötigt viel Dünger, die Kulturen Pflanzenschutzmittel. Aufgrund der mangelnden Artenvielfalt in den Plantagen werden Pflanzen und Tiere verdrängt.

Hand statt Maschine

Die Kaffeepflanze ist ein Sensibelchen und der Kaffeeanbau stellt die Bauern vor Herausforderungen. Daher ist es logisch, dass Kaffee bevorzugt in Mischkulturen produziert werden sollte. Früher war es üblich, Kaffeepflanzen mit Schattenbäumen gemeinsam zu kultivieren, jedoch erschwert dies die maschinelle Ernte in Plantagen. Daher ging man dazu über, Schattenbäume nicht mehr zu setzen oder zu roden. Das zeigt den weiteren Unterschied zwischen bio und konventionell. Konventioneller Kaffee wird meist nur mehr maschinell geerntet. Biokaffee wird dagegen händisch gepflückt und sichert so vielen Familien ein Auskommen. Beim sogenannten „Picking“ werden die reifen Kaffeebohnen gepflückt. Das geschieht sorgfältig und ist zeitaufwändig, sichert jedoch die Qualität, denn es gelangen weder unreife noch überreife Früchte in die Ernte. Eine Nachsortierung der Kaffeebohnen nach der Ernte ist aber immer noch nötig. Beim sogenannten „Stripping“ dagegen werden die Kaffeefrüchte maschinell geerntet, das ist effizienter und weniger zeitaufwändig. Erntemaschinen streifen in kurzer Zeit die Kaffeekirschen ab, durch die rotierenden Bürsten gelangen alle Früchte, unabhängig vom Reifegrad, und auch Blätter in die Ernte. Daher ist maschinell gepflückter Kaffee von ungleichmäßiger Qualität. Aufgrund der fehlenden Schattenbäume reifen die Kaffeekirschen in den Plantagen schneller, das kann aber zu Lasten der Kaffeequalität gehen.

Orang Utan Coffee

Die Bio-Zertifizierung von Kaffee kann für kleine Kooperativen teuer und zeitraubend sein, doch verschiedene Investoren oder Kaffeeproduzenten möchten sich im Kaffeebereich engagieren. So wird die Zukunft der Kaffeebohnen vielleicht darin liegen, gezielt ganzheitliche Projekte zu fördern, die soziale und regionale Aspekte und ökologische Produktion miteinander vereinen. So etwa „Orang Utan Coffee“, ein gemeinnütziger Verein, der Arten- und Umweltschutz mit nachhaltiger Kaffeeproduktion und sozialer Unternehmensverantwortung verbindet. Überlegungen zur Nachhaltigkeit fließen in alle Bereiche der Kaffeewirtschaft ein und das Projekt soll als gutes Beispiel für den Erhalt des Regenwaldes weitere Initiativen anregen. Denn der Regenwald ist Lebensgrundlage für Menschen und für vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere. Der biologisch produzierte Kaffee ist ausgesprochen hochwertig und lässt sich gut vermarkten. So kann das Sumatra- Orang-Utan-Naturschutzprogramm SOCP unterstützt werden und die Landwirte werden für Einhaltung der strengen ökologischen Produktionsstandards von Orang-Utan-Kaffee belohnt. Das schützt den Regenwald mit seiner Flora und Fauna und gibt uns die Möglichkeit, besten Kaffee mit gutem Gewissen zu trinken.

Aus der GASTRO 6-7/22
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