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„Fast alle sperren auf“

Mario Pulker GASTRO


Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich, sprach exklusiv mit GASTRO über die Stimmung am Ende des Lockdowns, unvermeidbare Öffnungsformalitäten und die leidige Preisdiskussion.


GASTRO: Hr. Pulker, wie ist die Stimmung in der Branche? Wie ist die Buchungslage in den ersten Tagen?
Mario Pulker: Beides ist ausgezeichnet, sowohl die Stimmung wie auch die Buchungslage. Gäste wie Wirte sind guter Dinge.

Wie hoch ist der Prozentsatz der Gastronomiebetriebe, die tatsächlich am 19. Mai öffnen wollen?
Der ist sehr hoch, es sperren quasi alle auf bis auf die Nachtgastronomie, die ja – u.a. aufgrund der 22-Uhr-Sperrstunde – noch nicht aufsperren dürfen. Manche Stadthotels werden wohl auch noch geschlossen halten und wer sich als Gastrobetrieb auf Gruppenreisen aus dem Ausland spezialisiert hat, für den wird sich das Aufsperren wohl auch noch nicht auszahlen. Aber das sind eher Ausnahmen, vom Würstelstand bis zum Haubenlokal wollen sonst wirklich fast alle aufsperren.

Sind die Formalitäten – Testpflicht für Mitarbeiter, Registrierungs- und Testpflicht für Gäste, 22 Uhr Sperrstunde, Maskenpflicht, Gästebeschränkung pro Tisch, Abstandsregelung, etc. – auf Dauer durchführbar?
Das Thema kommt natürlich immer wieder und ich kann immer nur das gleiche sagen: Es ist noch nicht so lange her, da war von einer Öffnung im Juni oder Juli die Rede. Wir befinden uns – das muss man so klar sagen – noch immer mitten in einer Pandemie und in Österreich können wir am 19. Mai alles aufsperren: Hotellerie und Gastronomie, Innen- wie Außenbereiche. Da sind wir eine ziemliche Ausnahme im internationalen Vergleich. Dass es da gewisse Voraussetzungen und Begleitmaßnahmen geben muss, ist klar. Die Alternative wäre gewesen, dass wir erst Anfang Juli aufsperren. Aber ich denke, das wollte und will niemand. Der Tenor unter den Kollegen war eher „egal unter welchen Bedingungen, Hauptsache wir können wieder öffnen“. Ich sehe das auch als einen der größten Erfolge der Interessensvertretung, dass wir so früh aufsperren können. Und denen, die jetzt schimpfen, die der Meinung sind, das sei alles unpraktikabel, denen muss man ganz offen sagen, dass es ja keine Pflicht zum Aufsperren gibt. Die meisten wollen, aber wer nicht will, der soll halt geschlossen lassen. Die Unterstützungsmaßnahmen laufen ja auch noch bis Ende Juni.

Ist es akzeptabel, dass Wien für die Mitarbeiter schärfere Regeln hat als der Rest Österreichs?
Große Freude haben wir damit nicht. Das ist für uns auch nicht ganz nachvollziehbar. Schon die Tatsache, dass man ohne gültigen Test eine FFP2-Maske statt eines normalen Mund-Nasen-Schutzes tragen muss, wird die meisten Mitarbeiter zum regelmäßigen Testen animieren. Dazu gehen ja gerade Gastro-Mitarbeiter in ihrer Freizeit auch gerne in die Gastronomie und müssen dafür ohnehin auch getestet sein. Speziell in Wien gibt’s ja auch diesen sehr guten Gurgeltest. Den mache ich zweimal in der Woche und bin safe. Ich sehe also das Problem nicht ganz.

Thema Selbsttests: Muss jetzt ein großer Gastrobetrieb extra Mitarbeiter abstellen, die dann in der ärgsten Rushhour zehn Minuten bei jedem Gast den Selbsttest beaufsichtigen, wenn die keinen gültigen Test mithaben?
Diese Vor-Ort-Tests können nur die absolute Ausnahme sein. Wir appellieren wirklich an alle Gäste, getestet ins Lokal zu kommen. Dass mitten im ärgsten Mittagsgeschäft im Minutentakt Vierergruppen ankommen, die sich alle testen lassen wollen, kann es nicht sein. Das kann dann so weit gehen, dass ein Gastronom solche Leute vielleicht gar nicht mehr hereinlässt. Selbsttests im Lokal sind wirklich nur in Einzelfällen möglich, die Gastronomie ist kein Teil der Teststraßen!

In manchen Medien sind schon heiß diskutierte Artikel um markant gestiegene Gastronomiepreise erschienen. Ist es eine gute Idee, nach Ende des Lockdowns die Gäste gleich mit gestiegenen Preisen zu empfangen?
Die Thematik ist die, dass wir – so wie jede andere Branche auch – jährliche Preissteigerungen haben. Es gibt KV-Erhöhungen, die Wartungsverträge für diverse Geräte werden von Jahr zu Jahr teurer, Lebensmittelpreise steigen, ebenso Energiepreise, etc. Dadurch müssen auch wir teurer werden, um kostendeckend arbeiten zu können. Ich rate im Gegenteil allen Kollegen dringend davon ab, jetzt mit Lockangeboten zu öffnen.

Ein Preiskampf wäre also jetzt das Schlechteste?
Das wäre der Todesstoß! Nach über sechs Monaten Lockdown kann man nicht mit Dumpingangeboten wieder aufsperren. Wir müssen einfach die Kosten weitergeben, die wir auch haben.

Wie sieht es eigentlich für die Nachtgastronomie aus? Gibt es für Clubs, Discos, etc. schon irgendeine Perspektive?
Nach Gesprächen mit Bundeskanzler Kurz deutet im Moment viel auf Öffnungsschritte mit Anfang Juli hin. Dann könnten auch wieder große Feiern, Hochzeiten, etc. möglich sein. Das wird aber nur funktionieren, wenn wir uns bis dahin alle an die Vorschriften halten. Denn wenn die Infektionszahlen wieder steigen, werden wir ein Problem mit weiteren Lockerungen haben. Das muss jedem klar sein.

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