Wiens Tourismus schafft Trendumkehr nach Covid

Auch Wiens Tagungswirtschaft hat sich 2022 langsam wieder erholt. Fanden 2019 70 Großtagungen ab 1000 Teilnehmern statt, so wurden 2022 bereits wieder 47 dieser Veranstaltungen gezählt.
Auch Wiens Tagungswirtschaft hat sich 2022 langsam wieder erholt. Fanden 2019 70 Großtagungen ab 1000 Teilnehmern statt, so wurden 2022 bereits wieder 47 dieser Veranstaltungen gezählt.

„Nach zwei von der Pandemie gekennzeichneten Jahren stand 2022 im Zeichen des Aufbruchs. Wiens Städtetourismus fand in seine gewohnte Rolle zurück, legte im Jahresverlauf ein beeindruckendes Wachstum hin und hat die Trendumkehr geschafft!“, zieht Wiens Wirtschaftsstadtrat und Präsident des WienTourismus Peter Hanke positive Bilanz zur Tourismuswirtschaft. Die Stadt verzeichnete im Vorjahr 5.597.000 Ankünfte, was im Vergleich zu 2021 ein rechnerisches Plus von 170% bzw. rund 71% des Aufkommens 2019 ausmacht, sowie 13.205.000 Gästenächtigungen und damit +164% zu 2021 und drei Viertel (75%) des Aufkommens 2019. Die Netto-Nächtigungsumsätze der Beherbergungsbetriebe liegen derzeit für Jänner bis November 2022 vor: 758.874.000 Euro (+172% zu 2021) ergeben 84% ihres Vergleichswerts 2019.

Hotelumsatz seit Oktober über Vor-Pandemie-Niveau

Stellt man die Entwicklung des Beherbergungsumsatzes den Nächtigungen gegenüber, zeigt sich, dass der Umsatz in den bereits ausgewerteten Monaten Jänner bis November mit +172% stärker gestiegen ist als die Nächtigungen mit +148%. Im Oktober und November lag er bereits um 4% bzw. 11% über seinem im Jahr 2019 gemessenen All-Time-High. „Unser Festhalten am Qualitätstourismus, die gezielte Ansprache eines kulturinteressierten und kaufkräftigen Publikums, das lückenlose Bearbeiten der wichtigsten Herkunftsmärkte – auch der Fernmärkte – selbst während der Lockdowns und Reisebeschränkungen sowie die globale Positionierung Wiens als Meeting Destination waren wesentliche Grundlage dafür, Wiens Tourismus für die Zeit nach der Pandemie eine Pole Position zu verschaffen“, erklärt Hanke.

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Dezember bei 90% des Niveaus 2019

Der Dezember 2022 trug mit 1.537.000 Nächtigungen (+413 %) zum Gesamtergebnis bei und steht damit bei 90% der Nächtigungen im Vergleich zum Jahr vor der Pandemie. Die Bettenauslastung lag im Dezember bei 61,4% (2021: 14,4%), jene der Zimmer bei rund 79% (2021: rund 19%). Auch im Gesamtjahr 2022 erhöhte sich die Auslastung – jene der Betten lag bei 46,5% (1-12 2021: 24%), jene der Zimmer bei rund 60% (1-12 2021: 31%).

USA: Rückkehr mit Paukenschlag

Rund 79% der Gästenächtigungen 2022 waren Auslandsnächtigungen (2019: 83%). „Wiens Tourismus nähert sich in puncto Internationalisierung seinem früheren Wert an, auch wenn 2022 europäische Nahmärkte bestimmender Faktor waren“, erklärt Wiens Tourismusdirektor Norbert Kettner. „Wiens aufkommensstärkster Fernmarkt USA hat sich jedoch mit einem Paukenschlag zurückgemeldet, im November und Dezember sein Niveau 2019 sogar schon übertroffen. Nach Österreich und Deutschland sind die USA nun wieder Wiens drittstärkster Herkunftsmarkt. Bei den Umsätzen im 5-Stern-Bereich liegen sie an 1. Stelle“ analysiert Kettner. Etwa zwei Drittel (65,8%) aller US-Nächtigungen fanden 2022 im 4- und 5-Stern-Bereich statt. „Die Hälfte aller US-Nächtigungen im Land konzentriert sich auf Wien, das als authentische Kultur- und Meeting-Destination punktet. Stabile Flugverbindungen und ein starker Dollar trugen ebenso zur raschen Erholung bei.“

Europa dominiert Gästemix, Asien lässt hoffen

Italien, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Rumänien, Israel und Polen komplettieren die Top-10 der nächtigungsstärksten Länder 2022. Besonders stark fiel das Wachstum aus Großbritannien aus, das 2022 neben den USA als einziger Markt in den Top-10 Nächtigungszuwächse jenseits der 400%-Marke brachte. China – 2019 mit über einer halben Million Übernachtungen an 7. Stelle – erholte sich kaum: Mit 56.000 Nächtigungen wurde knapp ein Zehntel des früheren Aufkommens gemessen. „Die Lockerung der Reisebeschränkungen birgt Potenzial für Wien, das nach Paris und London das drittbeliebteste Städteziel chinesischer Reisender in Europa ist“, so Kettner. Außerhalb der Top-10 stechen die arabischen Herkunftsmärkte ins Auge, vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate, die mit 104.000 Nächtigungen schon rund 99% ihres Niveaus 2019 erreicht haben.

Hotellerie: Qualitätsupgrade samt innovativer Konzepte

Wiens Beherbergungsangebot ist nach Rückgängen 2021 im Vorjahr wieder gewachsen: In Summe zählt die Stadt 36.710 Zimmer mit 71.345 Betten in 398 Hotelbetrieben. Die Zahl der Zimmer liegt um 7%, jene der Betten um 5% über 2019. Die Anzahl der Hotels erreicht ihren Wert 2019 (422) durch geplante Projekte etwa 2025. 59% des Betten-Angebots sind dem 4- bzw. 5-Stern-Bereich zuzuordnen. „Das Vertrauen in den Standort ist ungebrochen, umfangreiche Investitionen in Erneuerung bestehender sowie Errichtung neuer Hotels zeugen davon, dass Wien mit einem qualitativ verbesserten Angebot und einer Fülle an innovativen Konzepten aus der Pandemie hervorgeht“, erklärt Kettner. 2019 verfügte Wien über 22 Luxushotels, nun sind es 23. „Ein Asset für die Ansprache kaufkräftiger Zielgruppen, wovon die gesamte Wiener Visitor Economy profitiert“, so Kettner.

„Zeit für selbstbewusste Preisgestaltung“

Kettner dankt den Hoteliers, die selbst in den herausforderndsten Monaten den Zimmerpreis nicht verfallen ließen: „Die Preisdurchsetzung im europäischen Städtetourismus litt teils stark, mit Ausnahme kleinerer Schwankungen in Einzelmonaten blieb sie in Wien aber durchgehend stabil. Angesichts des Qualitätssprungs im Angebot, aber auch der Inflation geschuldeter wirtschaftlicher Erfordernisse, bietet sich gerade jetzt in der Wachstumsphase Gelegenheit zu selbstbewusster Preisgestaltung. Nach den Pandemie-Jahren ist es nun wieder einfacher, globale und diversifizierte Gästeschichten anzusprechen – Wiens Publikum ist an Qualität interessiert und auch bereit, diese zu bezahlen“, ist Kettner überzeugt.

2023 auf 13 Herkunftsmärkten aktiv – Fernmärkte wieder stärker im Fokus

2023 bearbeitet der WienTourismus 13 Herkunftsmärkte aktiv – Aspekte wie Erreichbarkeit, Kaufkraft, Markenkonformität und Relevanz für die Meeting-Industrie bilden bei der Auswahl die größten Einflussfaktoren. Neben Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Spanien, Frankreich und Italien rücken – zusätzlich zu den USA – auch Kanada, die arabischen Länder, China, Japan und Südkorea in den Fokus. „Der Schwerpunkt der Fernmarkt-Aktivitäten liegt auf den USA als aufkommens- wie umsatzstärksten Überseemarkt Wiens. Wir bleiben flexibel – eine unterjährige Adaptierung ist möglich – und agieren im Marketing noch zugespitzter und agiler“, so Kettner.

Stoßrichtung bleibt: Qualität als Maßgabe

„Bereits in unserer 2019 präsentierten Visitor Economy Strategie haben wir uns davon verabschiedet, touristischen Erfolg mit reinen Nächtigungszuwächsen gleichzusetzen. Umso mehr lautet unser postpandemisches Mission-Statement: Wir wollen durch qualitätsvolles Wachstum Wertschöpfung und Ganzjahresjobs in die Stadt bringen und dabei die lokale Bevölkerung und die Umwelt so wenig wie möglich belasten. Eine gedeihliche Entwicklung des Tourismus in Einklang mit der Bevölkerung, abseits einer Jagd nach Rekorden, bleibt unser vorrangiges Ziel“ stellt Kettner fest: „Auch, wenn wir durch Covid-19 einzelne Zielwerte unserer Indikatoren anpassen mussten, bleibt die strategische Stoßrichtung gleich.“

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