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Piment

Kolumbus hielt die Körner für Pfeffer, daher gab er ihnen den Namen „pimienta“ (spanisch für „Pfeffer“). Die Ureinwohner der Karibik schätzen nicht nur den Geschmack dieser Körner eines Baumes, der komplett nach ihnen duftet, sondern auch die konservierenden Eigenschaften. Das übernahmen die Seefahrer aus der Alten Welt und konservierten so ihr Fleisch und ihren Fisch für ihre langen Fahrten. Noch heute wird Piment in der skandinavischen Fischindustrie (eingelegter Hering) in großen Mengen eingesetzt. Im übrigen Europa hat der echte Pfeffer dem Piment, also dem „falschen“ Pfeffer, schon lange den Rang abgelaufen. Also seitdem der Pfeffer erschwinglich geworden ist (was er bis ins späte 19. Jahrhundert nicht war). Nur in England kommt Piment als Gewürz für alles (allspices) noch gelegentlich zum Einsatz. In der Karibik gibt Piment der Jerk-Paste, mit der dort Grillgut eingepinselt wird, bis heute den typischen Geschmack. Jerk ist eine fermentierte Gewürzpaste aus Piment, Knoblauch, Zwiebeln, Ingwer, Zimt und sehr scharfen Chilis. Man sollte Piment auch in unserer Küche wieder häufiger einsetzen. Der herrliche Duft nach Nelken, Pfeffer, Zimt und Muskat passt zu allen dunklen Fleischgerichten, Leber oder Wild. Auch ein Ragu à la Bolognese kann einen Hauch Piment vertragen, weil es den Gesamtgeschmack wärmer, sinnlicher und ein bisschen süßer macht. Wenn man ein Gericht lange schmort, sollte man ganze Körner verwenden, weil sie dann idealerweise langsam ihre Aromen an das Kochgut abgeben, wo sie sich an die Fette binden. Wenn man Piment kleinmörsert, dann erst zum Schluss würzen, weil sich sonst die Aromen zu schnell verflüchtigen. Man darf es nur nicht übertreiben – herausschmecken sollte Piment nicht. Außer beim jamaikanischen Grillfest.

Piment Tipp Thomas Askan Vierich, Autor des Buches Aroma. Die Kunst des Würzens. ISBN 978-3-7471-0423-1
Thomas Askan Vierich, Autor des Buches Aroma. Die Kunst des Würzens. ISBN 978-3-7471-0423-1
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