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Weder einfach noch homogen, dafür grandios

Wie ist der Jahrgang 2021 geworden?


GASTRO hat eine kleine Umfrage unter österreichischen Winzern und Weinexperten durchgeführt: Wie ist der Jahrgang 2021 geworden?


Die Österreich Wein Marketing spricht von einem „österreichischen Traumjahrgang“: „Ein herrlicher Herbst sorgte für balancierte, elegante Weißweine mit tiefer Frucht und rassiger Struktur sowie für kraftvolle, spannungsgeladene Rotweine – und das in allen österreichischen Weinbaugebieten.“ Nun gut, könnte man sagen, solche Superlative gehören vermutlich zu deren Jobeschreibung. Aber andere Stimme bestätigen diese Einschätzung.

Kein einfaches Jahr

Aber bekanntlich laufen gerade dann Winzer und Kellermeister zu Höchstform auf... Nach einem niederschlagsarmen Winter ließ der Frühling auf sich warten: April kühl und viel zu trocken, Mai düster und verregnet. Er brachte jedoch die ersehnten Niederschläge (auf die wir heuer auch schon wieder sehnsüchtig warten). Im Unterschied zu den Weinbauländern südlich und westlich des Alpenhauptkammes blieb Österreich von Spätfrösten verschont. Der Juni brachte Sonne und Wärme. Aber auch Unwetter, teils heftige, die auch den Juli verhagelten – sowohl in Niederösterreich wie im Burgenland. Horst Gager aus Deutschkreutz: „Ende Juli Hagel, leider in Toplagen des alten Weingebirges, Schäden je nach Lage 30% bis 70%.“ Geringer betroffen waren der Wiener Nussberg, das steirische Vulkanland und die Südsteiermark.

Rettung im Herbst

Der August dann kühl und regnerisch. Es sah nicht gut aus. Aber dann rettete der Herbst die Saison: Sechs Wochen schönes Wetter – mit kühlen Nächten. Das sorgte für eine ausgezeichnete Aromenbildung in den Weißweinen und Vitalität in den Rotweinen. „Reifezunahmen bis zu 2° KMW in einer Woche, ein WAHNSINN und sehr selten“, schreibt uns begeistert Kellermeister Markus Kurz von der Domaine Pöttelsdorf. Aus der Domäne Wachau hören wir: „Ein grandioser Bilderbuchherbst, wie es ihn noch selten gab, mit viel Sonne, wenig Niederschlag und kühlen Nächten, ließ die Trauben perfekt ausreifen und bescherte uns grandiose Weine.“ Markus Kurz: „Die Säurewerte waren galaktisch. Die Weiß- und Roséweine bildeten eine Wahnsinnsfrucht während der Gärung aus, einfach genial.“ Am Nussberg, am Bisamberg und am Maurerberg rechnet man mit ganz starken Wiener Gemischten Sätzen; zudem zeigt der Grüne Veltliner eine besonders ausgeprägte Brillanz.

Jahrhundertjahrgang bei den Roten?

Auch bei den österreichischen Roten sieht es gut aus: „Die späte Lese und lange Vegetationsdauer könnte speziell den beiden empfindlichen Sorten Pinot Noir und St. Laurent entgegengekommen sein“, schreibt die ÖWM. Manche sehen sogar den vielversprechendsten Rotwein aller Zeiten in ihren Fässern heranreifen: „Die Rotweine haben ein Potential gebildet, das man nur alle 5-10 Jahre vorfindet“, schreibt Markus Kurz. „Frucht, Struktur und ein Wahnsinns-Abgang.“ Frank Schindler vom Weingut Esterhazy in Trausdorf: „2021 ist für Leithaberg DAC ganz klar ein Ausnahmejahrgang, weder einfach noch homogen, dafür grandios. Der kühle Witterungsverlauf 2021 hat uns am Leithagebirges die seltene Kombination aus perfekter Reife und hohen Säurewerten beschert. Bei den Rotweinen haben wir eher spät gelesen und sind mit sehr ausgewogenen, dichtgewebten Weinen belohnt worden.“ Von den französischen Rebsorten könnte der Cabernet in seinen Varianten Sauvignon und Franc diesmal für besonderes Aufsehen sorgen.

Steiermark: Wenig, aber sehr gut

Nicht ganz so viel Glück hatte die Steiermark: Die Niederschläge im Mai konnten den viel zu trockenen Winter und Frühling nicht mehr ganz kompensieren. Dies wird auch als Hauptursache für die kleinste Weinernte seit 2016 angesehen. Die unerwartet lange herbstliche Schönwetterperiode sorgte jedoch für ein Happy End: Zuckergradation und Säurewerte befinden sich in einem optimalen Verhältnis, die klare Fruchtexpression, Eleganz und Rasse der Jungweine begeistern. „Großes ist unter anderem von den Burgundersorten zu erwarten, aber auch die vollreifen wie vielschichtigen Sauvignon Blancs und die Gelben Muskatellern lassen einen großen Jahrgang erwarten“, schreibt die ÖWM.

Summa summarum

Mit rund 2,4 Millionen Hektoliter liegt der Jahrgang 2021 österreichweit im Durchschnitt. Grund zur Freude, denn europaweit verlief 2021 weniger positiv: Manche deutsche Weinbaugebiete erlitten drastische Ernteeinbußen. Auch Italien, Frankreich und Spanien mussten teils empfindliche Verluste hinnehmen, großteils aufgrund von Spätfrösten. Horst Gager aus Deutschkreutz ist in seiner Bewertung etwas zurückhaltend: „Kein Jahrhundertjahrgang, aber er kann sich sicher mit 2013, 2016 und 2018 matchen.“ Begeisterter ist Günter Triebaumer aus Rust: „2021 wird als rundum genialer Qualitätsjahrgang bei kleiner Menge in die Annalen eingehen. Bei trockenen Weißweinen fällt auf, dass bei hoher und höchster Traubenreife eine enorme Pikanz in den Wein gebracht werden konnte - vergleichbar mit 1999. Die Rotweine strotzen vor Farbe und Frucht, ohne jegliche Überreife.“ Christoph Salzl aus Illmitz: „Kurz zusammengefasst gilt für Weiß-, Rot und Süßwein: warmer Jahrgang, kühle Nächte, frische Säure, tolle Frucht, limitierte Menge, hervorragende Qualität!“ Markus Huber aus dem Traisental: „Der 2021er Jahrgang ist exzellent. Die Weine verfügen über tolle Frucht, Saftigkeit, Eleganz und Tiefgang. Der kühle, trockene Herbst hat eine perfekte Ausreifung des Traubengutes ermöglicht.“

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