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Vorarlberg „neu entdecken“

Vorarlberg Corona Vielfältige Angebote zum Radfahren, Mountainbiken, Golfen, Klettern oder Tourengehen laden ein, Vorarlberg zu entdecken
Vielfältige Angebote zum Radfahren, Mountainbiken, Golfen, Klettern oder Tourengehen laden ein, Vorarlberg zu entdecken

Einen bewussteren Blick auf die Vielfalt zu lenken, die gleichsam vor der Haustür liegt – das westlichste unserer Bundes- länder lädt zu einer facettenreichen Entdeckungstour ein. GASTRO sprach mit Christian Schützinger, Geschäftsführer von Vorarlberg Tourismus, über innovative Erfindungen zur Einhaltung der Hygiene-Richtlinien in Corona-Zeiten, die Bandbreite des touristischen Angebots für Sportbegeisterte und spannende Kulturformate unter freiem Himmel.

Herr Mag. Schützinger, Urlaub im eigenen Land steht heuer hoch im Kurs. Es gilt, vorwiegend den österreichischen Gast nach Vorarlberg zu locken – mit welchen Maßnahmen soll dies gelingen?

Vorarlberg ist ein kleines Land, das für seine landschaftliche und kulturelle Vielfalt geschätzt wird. Damit spielen wir in unserer Kommunikation: Einheimische wollen wir anregen, das Land „anders zu entdecken“, indem sie auf die Dinge, die vor der Haustür liegen, einen anderen, bewussteren Blick werfen. Österreichweit gilt Vorarlberg oft als Exot, deshalb geht es bei vielen Menschen aus den anderen Bundesländern darum, unser Land erstmals kennenzulernen, ganz „neu zu entdecken“. Seit klar ist, dass die Grenzen wieder öffnen, richten wir uns an die Stammgäste aus Süddeutschland und der Ostschweiz. Viele haben gebucht und wollen Vorarlberg auch diesen Sommer „wiederentdecken“.

Welche Bedeutung hätten internationale Gäste? Wie erreichen Sie diese Zielgruppe, die eventuell noch aus Sicherheitsgründen Vorbehalte bezüglich ihrer Reisebereitschaft hat?

Über die Hälfte unserer Gäste kommt aus Deutschland, zwölf Prozent aus der Schweiz und sechs Prozent aus den Niederlanden. Nach der weitgehenden Grenzöffnung Mitte Juni hoffen wir natürlich, dass viele ihren Sommerurlaub auch in diesem Jahr in Vorarlberg verbringen. Dabei kommt uns das im Ausland positiv wahrgenommene Krisenmanagement während der Pandemie zugute. Für darüberhinausgehende Quellmärkte setzen wir auf die Kooperation mit der Österreich Werbung.

Kommt den Social-Media-Kanälen hier eine weitreichende Bedeutung zu? Was soll unter dem Hashtag #venividivorarlberg kommuniziert werden?

Die Kampagne setzt auf vielfältige Themen und Sujets nach dem Muster „Ich kam. Ich sah …“, von außergewöhnlicher Architektur bis zu heimischem Brauchtum. In unserem Online-Guide vorarlberg.social lässt sich die ganze Bandbreite des Angebots in Echtzeit ersehen und wird durch das Einbeziehen der Postings von Gästen und Einheimischen, Betrieben und Urlaubsregionen authentisch. Redaktionell aufbereitete Geschichten über das Urlaubsland und deren Gastgeber sowie Urlaubs- und Freizeit-Tipps in ausgewählten Medien runden die Informationen ab.

In einer gewissenhaften Erfüllung der Sicherheitsauflagen, die Eindämmung des Covid19-Virus betreffend, liegt ein großer Wettbewerbsvorteil. Wie werden die notwendigen Maßnahmen einerseits an die Betriebe, andererseits an die Gäste kommuniziert?

Für die Betriebe hat die Wirtschaftskammer Leitlinien für „sichere Gastfreundschaft“ erstellt. Gäste finden den jeweils aktuellen Stand auf unserer Website oder können direkt ihre Gastgeber fragen. Zusätzlich haben wir über das Netzwerk „Gastgeben auf Vorarlberger Art“ Best-Practice-Beispiele gesammelt und den Betrieben zur Verfügung gestellt. So ermöglicht etwa das Board „Alma“ das übertragungsfreie Handling von Tellern für Servicepersonal und Gäste und sorgt darüber hinaus für einen Wow-Effekt. Die Krise setzt also auch kreatives Potenzial frei.

Großes Augenmerk liegt auch auf dem sportlichen Angebot?

Wir gehen hier einen eigenständigen Weg und betrachten Bewegung nicht isoliert, sondern setzen sie in Beziehung zur Natur, zur Kultur und auch zur Geschichte. Ein gutes Beispiel ist der Weitwanderweg  „Min Weag“, der rund um Vorarlberg führt. Dazu haben wir ein Buch herausgebracht, das Sehens- und Wissenswertes entlang der 400 Kilometer langen Route beschreibt. Der Weg ist in 31 Etappen aufgeteilt und hat von der leichten Wanderung bis zur anspruchsvollen Bergroute für jeden etwas zu bieten. Darüberhinaus gibt es jede Menge Angebote zum Radfahren, Mountainbiken, Golfen, Klettern oder Tourengehen mit unseren bewährten Bergpartnern.

Auf welche Kampagnen bzw. nachhaltigen Produkte setzt hier Vorarlberg Tourismus in Corona-Zeiten?

Mit „Kultur im Jetzt“ haben wir eine Initiative gesetzt, um coronagerechte Veranstaltungen von Kulturschaffenden gemeinsam mit Touristikern zu forcieren. Das wird auch finanziell vom Land Vorarlberg gefördert. Ansonsten sind in Zeiten wie diesen die „Bergprodukte“ sehr gefragt, die draußen stattfinden und größtmöglichen Abstand ermöglichen.

Mag. Christian Schützinger, GF Vorarlberg Tourismus
Mag. Christian Schützinger, GF Vorarlberg Tourismus

Ein neues Freiluft-Kulturformat wurde mit dem Vorarlberger Kulturpicknick ins Leben gerufen. Wie können Veranstalter in Corona-Zeiten ihr Angebot kommunizieren, speziell, wenn es um die Einhaltung von Sicherheitsvorkehrungen geht?

Das Vorarlberger Kulturpicknick ist ein Format, das speziell als Reaktion auf die Pandemie entwickelt wurde. Die Veranstaltungen finden noch bis September im Freien und mit maximal 50 Teilnehmern statt. Informationen zu den Veranstaltungen und Tickets sind auf der neuen App „Events Vorarlberg“ erhältlich. Die Registrierung ermöglicht im Ansteckungsfall die Nachverfolgung von Infektionsketten. Spezielle Decken der Vorarlberger Textilfirma David Fussenegger, auf denen „Du“ und „Ich“ im Abstand von einem Meter aufgedruckt sind, gewährleisten auf charmante Weise den Sicherheitsabstand. Dieses Gesamtpaket können Gastgeber und Kulturschaffende übernehmen, um Veranstaltungen durchzuführen. Die Bewerbung erfolgt online, die App wird als Kommunikationstool und zum Ticketverkauf zur Verfügung gestellt, und flankierend gibt es regionale Produkte als Proviant. Vor Menschenmassen muss sich also niemand fürchten. Im Angebot sind ein Theaterabend, Konzerte mit Vorarlberger Musikern, ein experimentelles „Konzert für Grille, Streicher und Publikum“ und Lesungen sowie ein Kulturfrühstück in einer Burgruine. Weitere Veranstaltungen sind im Gespräch.

Genuss und Kulinarik nehmen in der Palette des Tourismusangebots einen großen Stellenwert ein. Welche besonderen Angebote setzen Sie hier? Welche Rolle kommt dem Netzwerk „Gastgeben auf Vorarlberger Art“ (GVA) zu?

Gastgeben auf Vorarlberger Art geht weit über die Kulinarik hinaus. Zum Programmstart ging es darum, die Grundwerte der Tourismusstrategie – nämlich Nachhaltigkeit, Regionalität, Vernetzung und Gastfreundschaft – in die Betriebe zu bekommen. Mittlerweile hat sich daraus ein Lernnetzwerk auf Augenhöhe entwickelt, das die Herausforderungen selbst definiert. Das schließt auch ein, dass in der Gastronomie und Hotellerie aus regionalen Lebensmitteln zubereitete Speisen auf den Tisch kommen. Hier helfen wir, Hersteller und Gastgeber zu vernetzen. Wir haben eine Serie gestartet, in der wir innovative Köchinnen und Köche porträtieren: vom Foodtrucker über die Füxe am Arlberg bis zum mizzigreen in Frastanz. Und auch beim Thema Kulinarik versuchen wir, mit Genusswanderungen oder Kochen auf der Alp das Gesamterlebnis in den Mittelpunkt zu rücken.

Welche Maßnahmen bzw. Förderungen seitens der Regierung waren oder sind für Betriebe der Hotellerie und Gastronomie hilfreich? Wo sollte noch nachgebessert werden?

Das vorzeitige Ende der Wintersaison hat eine tiefe Kerbe geschlagen. Nach dem Lockdown wieder aufsperren und überhaupt Gäste empfangen zu können, war natürlich sehr befreiend. Einige konnten die Chance nicht gleich ergreifen, weil der Betrieb eine bestimmte Auslastung erfordert. Hier kommen uns die neuen Reisefreiheiten entgegen. Und auch die Mehrwertsteuersenkung hilft fürs erste. Für besondere Erfordernisse in Vorarlberg hat das Land ein 15-Millionen-Euro-Paket geschnürt.Was die Förderungen betrifft, gab es Kritik an der Bearbeitungsdauer. Und es wurde nicht an alle Anbieter gedacht, etwa private Zimmervermieter oder Berg- führer. Wichtig ist darüber hinaus, dass die Unterstützung längerfristig erfolgt. Es wird dauern, bis alle wieder Tritt fassen.

Wie läuft der Ausbau in Sachen Digitalisierung? Kommt in Zeiten der Corona-Krise digitalen Angeboten ein größerer Stellenwert zu?

Unsere Gäste haben sich auch während der Krise online informiert. Daher erstellte und aktualisierte unser Team allein zwischen Ende Februar und Anfang April über 200 Beiträge: etwa 60 neue rund um Corona und 80 Tipps für mögliche Aktivitäten während der Krise. Insgesamt stehen Nutzern von www. vorarlberg.travel aktuell rund tausend Info-Beiträge, Reportagen und Tipps zu Aktivitäten im Land zur Verfügung. Das Programm Gastgeben auf Vorarlberger Art bietet Analysen von Websites oder Workshops, wie Gästebewertungen optimal genutzt werden können. Es ist gerade jetzt wichtig, an künftige Saisonen zu denken und Zeit in den eigenen Online-Auftritt zu investieren. Angebote und Betriebe, die virtuell sichtbar sind, werden von der Sehnsucht nach einem Urlaub in Vorarlberg künftig direkt profitieren. www.vorarlberg.travel

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