Routine geht nicht mehr

Tourismuskonzepte, die jahr(zehnt)e lang funktionierten, müssen neu gedacht werden. Denn die stark veränderten Ausgangspositionen bedürfen neue Konzepte.

Winter in Österreich = Skitourismus. Eine Konstante seit Generation, geht und gilt nicht mehr. Auf Frau Holle ist kein Verlass mehr und selbst wenn sie ihr weißes Kleid rechtzeitig über die Skipisten gebreitet hat, sehen viele Urlauber das Skifahren nicht mehr als das einzig Seligmachende im Winterurlaub. Von den Liftpreisen einmal ganz abgesehen.

Alternativen müssen also her und weil Eisbaden vielleicht doch nicht jedermanns Sache ist, obwohl im heurigen Winter omnipräsent, ist Ideenreichtum gefragt. Das Thema Ganzjahrestourismus steht dabei im Mittelpunkt, was durchaus Sinn macht, weil es gleich mehrere Herausforderungen abdeckt.

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Im Tourismus ist Nachhaltigkeit der Treiber

Was alle Handlungsfelder dominiert ist das Dauerthema Nachhaltigkeit, von dem aber der Tourismus noch viel stärker betroffen ist, als andere Branchen. Wie groß hier der Handlungsbedarf ist, zeigen die diesjährigen Leuchtturmprojekte, die alljährlich vom BM für Arbeit und Wirtschaft ausgeschrieben werden und heuer unter dem Motto „Innovative Konzepte zur Klimafolgenanpassung und Resilienz im Tourismus“ stehen. Ziel dieser Förderaktion ist es, die heimische Tourismuswirtschaft zum Thema Klimawandel zu sensibilisieren und innovative Konzepte zu erarbeiten, die Folgen des Klimawandels für den Tourismus Rechnung tragen.

Acht Siegerprojekte mit einer Gesamtförderung von rund 0,87 Millionen Euro zeigen innovative Projektideen für diese Thematik. Das Projekt „WIEVIEL IST GENUG?“ beschäftigt sich zum Beispiel exakt mit dem Thema Ganzjahrestourismus anhand der Tourismusregion Heutal. Der Verein Ionica Mobility erarbeitet hier ein umfassendes Datenmodell zu regionaler Wertschöpfung und Tourismus in der Region Heutal zur Berechnung der maximalen Auslastung bzw. Kapazitäten im Tourismus und dem Ziel, in der Folge das Heutal als Modell für eine Ganzjahres- Tourismusregion zu etablieren.

Kultur als Zugpferd

Kunst & Kultur sind die künftigen Hoffnungsträger im Tourismus.
Kunst & Kultur sind die künftigen Hoffnungsträger im Tourismus.

Kultur als finanzstarkes Tool im Tourismus ist nicht erst seit der Kulturhauptstadt 2024 Bad Ischl ein Thema, zeigt aber mit dessen Wahl, wie relevant das Thema ist. Kunstinstallationen im Tal und auf dem Berg, Kunst im Hotel als Buchungsgrund und das Museum als Zielgruppenansprache gewinnen stetig an Bedeutung. Die touristische Wertschöpfung ist dabei nicht unerheblich, denn die Ausgaben der Kultururlauber liegen bei rund 25 Prozent über dem Schnitt. Vor allem die Hotellerie profitiert von dieser Zielgruppe deutlich, steigt sie doch als zahlungskräftiges Klientel vorwiegend in der 4* und 5* Hotellerie ab.

Derzeit sind es zwar nur ungefähr fünf Prozent der Urlauber, die einen reinen Kultururlaub buchen, doch was entstehen soll, ist ein Angebot für die breitere Masse, wo Kultur auch niederschwelliger angeboten wird. In OÖ steht mit dem Bruckner Jubiläum das Jahr 2024 ohnehin im Fokus der Kultur, die Landes-Tourismusstrategie 2030 zielt auf die Unterstützung der Betriebe ab, im Bereich der Mitarbeiter-Dynamik, durch Heranführung der „Next Generation“ an die Branche, durch Förderung der Unternehmer- und Gründerkultur und durch aktives Vorantreiben der nachhaltigen und digitalen Transformation.

Selfness ist das neue Wellness

Gesundheit und dessen Vorsorge sind ebenfalls zum Dauerbrenner geworden und ist nun auch endgültig mit hoher Präsenz im Tourismus angekommen. Gesundheitshotels mit mehr oder weniger ärztlicher Fachkompetenz boomen, auffallend ist der Trend hin zur sogenannten Selfness, bei der an die Selbstverantwortung appelliert wird. Wellness alleine reicht nicht mehr, sondern soll und wird mit Aktivität verbunden. Dafür werden sowohl in den Hotels selbst, als auch in Zusammenarbeit mit den Regionen, Bewegungs- und Fitnessangebote zusammengestellt, die auch meist mit Ernährungstipps einhergehen.

Stichwort: „Wenn Du mehr Output haben möchtest, dann musst Du auch anders essen!“ Das wiederum eröffnet ein weites Feld für Ernährungsberater, Köche und Mentaltrainer. Selfness hat wenig mit Fitnessgeräten zu tun, sondern bietet Workouts und moderate Bewegungseinheiten, die möglichst Outdoor stattfinden und auch gleich die Region mit einbinden. Damit entstehen auch dort neue Geschäftsfelder.

Gleichzeitig springt auch die Hotellerie ganz stark auf diesen Zug auf. So auch das neue Hotel Freigold in Freistadt, das sich als „Impulshotel“ ganz der Selfness verschrieben hat und mit seiner 10-Smiley Challenge die Gäste zu 10 kleinen Selfness-Aufgaben animiert, und wer dabei genügend Punkte sammelt, wird mit einer Überraschung aus dem Happymaker, der in Anlehnung an den Money Maker entstanden ist, belohnt. In die gleiche Richtung gehen die Pletzer Resorts, deren Move & Relax-Programm, entstanden unter Mitarbeit von Toni Innauer, auf die drei Säulen Bewegung, Relax und Regeneration setzen. Und auch die VAYA Group setzt stark auf Bewegung mit Fachleuten unter dem Titel „Get the Vibes.“ Erholung und geführte Bewegung, aber ohne Druck.

Allen gemeinsam ist die Tatsache, dass Wellness nur mehr ein Teil der Erholung ist und unbedingt mit Aktivität kombiniert werden muss. Du hast es selbst in der Hand, ist die Botschaft dahinter und eröffnet ganz nebenbei auch vielen Partnern die Möglichkeit zur Partizipation. Regionale Produzenten liefern gesunde Produkte, die Fitnessindustrie stattet die Hotellerie aus und die Regionen stellen Wanderführer, Montainbike-Fachleute und diverse andere Fachkräfte zur Verfügung. Für jede Richtung der richtige Mann – oder die Frau.

Dass die Kulinarik fixer Bestandteil der Tourismusstrategien bleibt, zeigen die zahlreichen regionalen Konzepte der einzelnen Bundesländer. Immer mehr und immer diffiziler werden diese auf lokale Ebene heruntergebrochen.

Modernes Marketing

Was noch ganz am Anfang der Einbindung ins touristische Umfeld steht, das ist die KI. Noch etwas misstrauisch beäugt, wird sie langfristig – auch – den Tourismus deutlich verändern. Mit Chatbots und Online-Kundenservice beschäftigt sich vor allem die Hotellerie bereits intensiv. Die ÖW nützt dieses Tool bereits und setzt zusätzlich zu den klassischen Marketingmaßnahmen auf zwei neuartige digitale Flagship-Marketingaktionen. Beim Flagship „Chat SkiPT“ beantworten heimische Skilehrer in der Welt der KI auf authentische und humoristische Weise die Fragen der potenziellen Urlaubsgäste. Damit soll in einem Umfeld von verstärkter Technologisierung die menschliche Komponente, die bei einer Urlaubserfahrung so zentral ist, in den Mittelpunkt gerückt werden. Beim Flagship „The World’s Youngest Ski Instructor“, einer Bewegtbild- Contentserie, bringt ein Kindergartenkind als Skilehrerin den Erwachsenen mit einem Augenzwinkern das Skifahren bei. Der gelaunchte TikTok- Kanal soll die Urlaubsplaner von morgen ansprechen.

Skifahren bleibt also doch, wird aber mit modernem Marketing kommuniziert.

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