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Gastroparadies Vorarlberg?

Kann das Experiment kontrollierter Gastroöffnungen den Weg in eine Zukunft mit Corona weisen?

Gastroparadies Vorarlberg

„Haben Sie Ihren Test dabei?“ Das wird man zwischen Bludenz und Bregenz als Erstes gefragt, wenn man sich einem Lokal nur nähert. Maske auf! Und bitte registrieren! Am besten hat man auch einen Tisch reserviert. Wir haben uns in der Karwoche das lustige Gastrotreiben im „Paradies“ Vorarlberg angesehen. Lange hieß es, nur ein Drittel der Gastronomen mache überhaupt mit. Mit einer Sperrstunde um 20 Uhr lohne sich das gar nicht. Es war im Vorfeld wirklich schwierig unter der Woche überhaupt ein Lokal zu finden, das geöffnet hatte. Vor Ort entwickelte sich das etwas entspannter. Mittlerweile machen rund die Hälfte mit, aber immer noch mit vielen Schließtagen. Das ist immer auch eine Frage, wie viel Personal man abrufen kann. Aber wir trafen auch Gastronomen, denen es egal war, ob sich das „rechnet“. Die wollten einfach wieder ihre Gäste verwöhnen. Und das taten sie mit ansteckender Begeisterung.

Kein Ansturm

Dennoch: Die Gäste stürmen keineswegs die Lokale. Viele Gastronomen, die früh dabei waren, scheinen fast schon resigniert. Der verpflichtende Test, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, schreckt viele ab. Und: Es gibt einfach keine Touristen. Das macht sich vor allem im Bregenzer Wald bemerkbar. Die Einheimischen gehen vielleicht einmal in der Woche essen. Andere Gäste gibt es nicht. Also saßen wir oft alleine im Wirtshaus oder im Café… Anders in den Städten: Wer geöffnet hatte, wurde auch besucht – zumindest zur Mittagszeit. Die Karten waren fast überall reduziert auf wenige Gerichte. Ein spanischer Wirt schickte uns wieder weg, obwohl fast alle Tische leer waren. Ihm war kurzfristig der Koch ausgefallen… Beim Schiff in Hittisau, eines der führenden Vorarlberger Feinschmeckerlokale, bekamen wir am ersten Öffnungstag keinen Tisch mehr. Sie öffneten nur ihr Casual-Dining-Lokal Ernale, für den Gourmettempel lohnt sich der Aufwand nicht, zumal das Hotel auch leer ist. Das Ernale war dafür gesteckt voll – mit Stammgästen, die ihre helle Freude hatten. Für uns wurde dann doch noch ein Tisch improvisiert.


Gastronomie in Krisenzeiten

In Bregenz buchten wir uns gleich zweimal beim Italiener Isola Bella ein. Hier war es einfach eine Freude zu beobachten, wie Gastronomie auch in Krisenzeiten funktionieren kann. Man hat den Gastraum wetterfest um ein Zelt erweitert und zusätzliche Tische im Schanigarten aufgestellt – alle mit nötigem Abstand. Es bildeten sich von 12 bis 19 Uhr lange Schlangen. Viele holten sich ihre Pizza oder Pasta für zu Hause ab, andere lauerten auf einen freien Tisch. Das Personal händelte den Ansturm streng, aber mit Charme und einem glücklichen Lächeln im Gesicht. Ihnen machte es ganz offensichtlich Spaß, wieder Stress zu haben.

Fazit von 5 Tagen Gastroerlebnis, wie es früher einmal war:Fazit von 5 Tagen Gastroerlebnis, wie es früher einmal war:

An das Problem immer einen Coronatest dabei haben zu müssen, gewöhnt man sich schnell. Zumal es in Vorarlberg überall gut organisierte Teststationen gibt, wo man sich ohne Wartezeiten, aber mit Anmeldung, gratis testen lassen kann. Das spontane Bier im sonnigen Gastgarten geht meist nicht, weil fast alles nur über Reservierung läuft. Die Registrierung vor Ort klappt auf Knopfdruck, wenn sie digital angeboten wird. Wenn die Sonne nicht mehr scheint, könnte es drinnen eng und unangenehm werden. Das „Paradies“ Vorarlberg funktioniert. Aber nur bei schönem Wetter. Aber es soll ja bald Sommer werden mit steigenden Impfraten. Dann könnte man das Modell auf ganz Österreich ausweiten. Gastronomie MIT Corona ist machbar, vor allem draußen – und tut der Seele gut. Nebenbei wird auch die Testbereitschaft erhöht.

 

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