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Never change a winning team


Vor knapp einem Jahr hat Johann Diglas jun. das Fischerbräu in Wien übernommen – und keiner hat‘s bemerkt.


Eigentlich kommt Johann Diglas jun. ja aus einer alteingesessenen Wiener Cafetier-Familie (u.a. Café Diglas in der Wollzeile und im Schottenstift oder Café Weimar), trotzdem hatte er neben dem Kaffee schon immer eine gewisse Affinität auch zum Bier – und zwar nicht nur zum Trinken, sondern auch zum Brauen. Als daher Walter Hejl, der die Gasthausbrauerei „Fischerbräu“ einst von Gründer Sepp Fischer übernommen hatte, aus Altersgründen einen Nachfolger für diese Wiener Institution (seit 1985!) gesucht hatte, war der Deal schnell unter Dach und Fach. „Ich bin ja quasi selbst ein ehemaliger Stammkunde, habe etliche lustige Abende hier verbracht und mir dann gedacht ‚ach was, sei mutig’ als sich die Gelegenheit ergeben hat“, erklärt der neue Hausherr.

Der Lockdown der ersten Monate des Jahres wurde auch prompt genutzt, um neu auszumalen, elektrische Leitungen auf Vordermann zu bringen oder Ähnliches. Bei Optik, Ambiente oder gar Angebot hingegen widerstand Diglas der Versuchung vieler Chefs, neuen Betrieben prinzipiell ihren Stempel aufdrücken zu wollen und änderte erst einmal – nichts. Denn: „Die Leute sollen wegen dem gemütlichen Ambiente hier herkommen, wegen dem schönen Gastgarten und wegen unserem Bier, aber nicht wegen mir als Person. Deswegen habe ich die Neuübernahme nie an die große Glocke gehängt und auch nach außen hin auch nichts verändert – es läuft ja so gut wie es ist.“

Studentenfreundliche Preise

Das betrifft auch die verhältnismäßig moderate Preisgestaltung: Hauptspeisen um teilweise unter zehn Euro muss man heute in Wien-Döbling schon mit der Lupe suchen. Wenn dann auch noch alles hausgemacht ist, selbst beim Erdäpfelsalat nicht auf Convenienceware zurückgegriffen wird, ist das schon eine Herausforderung. Herzstück des Betriebes ist nach wie vor die eigene Brauerei, die ein unfiltriertes Helles, ein Weizenbier und alle paar Wochen ein neues Monatsbier, quasi das „Craftbier“ des Hauses, bei dem sich der Braumeister austoben darf, produziert. Aber auch diese Monatsbiere sind vergleichsweise breitentauglich. Diglas: „Mit IPA, Chocolate-Stout & Co. hab ich‘s nicht so. Mir ist ein Bier lieber, von dem man an einem Abend auch ein paar Krügeln trinken kann. Diese extremen Sorten sind vielleicht lustig zum Kosten, aber mehr als ein Glas schafft man davon nicht.“

Überbackene Riesenbrote als Signature-Dish

Dazu isst man am besten eines der legendären überbackenen Riesenbrote, für deren Zubereitung eigens ein separater Koch abgestellt ist und für die die Brote täglich frisch von einer Bäckerei nach Kundenvorgaben gebacken werden. Aber auch Schnitzel, Hamburger, Spareribbs, Schinkenfleckerl und andere Wirtshaus-Klassiker stehen (weiterhin) auf der Karte, die Diglas allerdings ein wenig aufräumen möchte: „Ich bin kein Freund allzu großer Karten, auch wenn‘s ein Wirtshaus ist. Da hab ich lieber regelmäßig auch ein paar wechselnde, saisonale Gerichte im Angebot. Aber das ist eine Sache, die sich jetzt erst, seit ein paar Wochen nach dem Lockdown der Betrieb wieder einigermaßen normal geworden ist, herauskristallisiert. Jetzt sehe ich langsam, was gut geht und was nicht geht und wenn eine Speise regelmäßig zurückgeschickt wird, dann haben wir da Handlungsbedarf.“ Und was hat Johann Diglas in Zukunft mit dem Fischerbräu vor? Erraten, nichts dramatisch Neues. Ein regelmäßiger Jazzbrunch am Sonntag ist in Planung, 2022 vielleicht wieder ein Oktoberfest (heuer wird es sich coronabedingt wohl nicht mehr ausgehen) und auch die eine oder andere sonstige Veranstaltung – also eigentlich alles wie früher gehabt.

Fischerbräu in WienÜberbackene Riesenbrote als Signature-DishFischerbräu

 

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