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„Warenverfügbarkeit ist wichtiger als der Preis“

Metro Österreich-Chef Xavier Plotitza im Gespräch mit GASTRO-Redakteur Clemens Kriegelstein
Metro Österreich-Chef Xavier Plotitza im Gespräch mit GASTRO-Redakteur Clemens Kriegelstein

Metro Österreich-Chef Xavier Plotitza sprach im Rahmen der „Alles für den Gast“-Messe mit GASTRO über Strategien gegen die Teuerung, weiße Flecken auf der Landkarte und den Status quo bei der Übernahme der AGM-Märkte.

GASTRO: Hr. Plotitza, wie läuft es aktuell mit der Übernahme der AGM-Märkte? Ist alles im Zeitplan?
Xavier Plotitza: Ja, alles ist im Zeitplan. Bei den beiden Märkten, die wir leider abgeben müssen – Bludenz und Klagenfurt – läuft alles wie vorgesehen. Bludenz ist bereits an Eurogast Grissemann verkauft und beim Standort Klagenfurt wird die Übergabe an Transgourmet derzeit vorbereitet.

Und bei den sieben AGM-Märkten, die bei Metro verbleiben? Wie sieht es da mit dem Rebranding und der Sortimentsumstellung aus?
Das Rebranding hat derzeit keine Priorität für uns. Wichtiger ist die Sortimentsanpassung, dass wir dem Kunden das liefern können, was er braucht. Unter welchem Label das derzeit passiert, ist ihm nicht so wichtig. Wir geben der Beziehung zueinander mehr Gewicht. Wir haben alle AGM-Mitarbeiter, die das wollten, übernommen. Die müssen wir jetzt integrieren und wir wachsen zusammen. Wir setzen ab Anfang 2023 auf eine neue, gemeinsame Werbestrategie. Und wenn alles gut läuft, dann können wir über ein Rebranding reden. Hat aber wie gesagt derzeit keine Priorität. Ab Anfang nächsten Jahres werden wir das Rewe-Sortiment an Eigenmarken in den AGM-Märkten nicht mehr anbieten. Hier werden wir Ersatz durch unsere eigenen Produkte, die Metro Marken, schaffen. Produkte, nahtloser Übergang in der Betreuung und Vorteile bei uns einzukaufen sind wichtig für unsere Profi-Kunden. Welches Branding unsere Rechnungen haben, interessiert diese nicht vorrangig.

Mit den sieben neuen AGM-Märkten betreibt Metro künftig 19 Standorte im ganzen Land und ist diesbezüglich auch die Nr. 1 in Österreich. Ist man damit auf absehbare Zeit zufrieden oder gibt es noch weiße Flecken auf der Metro-Landkarte?
Vorarlberg ist tatsächlich noch ein bisschen ein weißer Fleck für uns, deswegen tut es uns auch leid, dass wir Bludenz abgeben mussten. Aber auch in Tirol und im Salzburger Land sehen wir noch Potential. Diese Regionen sind von Metro noch nicht so abgedeckt, wie wir das gerne hätten. Hier werden wir also auch künftig eruieren, welche Möglichkeiten wir haben. Aber derzeit haben wir fraglos genug zu tun.

Von 1. September bis 25. Oktober hat Metro im Kampf gegen die Inflation die Preise von 120 Kernprodukten vorübergehend eingefroren. War diese Aktion erfolgreich und ist eine Fortsetzung geplant?
Die Aktion ist sogar sehr gut angekommen und war sehr erfolgreich – auch weil wir die einzigen im C&C-Bereich waren, die das gemacht haben. Die Kunden haben das sehr geschätzt. Und ja, ab 27. Oktober wurde das Programm – teilweise mit anderen Produkten, auch aus dem Non-Food-Bereich wie etwa Geschirr, das zu Weihnachten eine große Rolle spielt – fortgesetzt.

Wie sieht es generell mit dem Thema Teuerung aus? Manche Supermarktketten liefern sich derzeit einen öffentlichkeitswirksamen Schlagabtausch mit internationalen Lebensmittelmultis inkl. Auslistung etlicher Produkte wegen angeblich ungerechtfertigter Preiserhöhungen. Gibt es in Ihrem Bereich ähnliche Probleme?
Ja und nein. Bei uns hat die Verfügbarkeit Priorität. Großhandelskunden sind anderes als Kunden im Supermarkt. Wenn unsere Kunden bei uns einkaufen, dann arbeiten sie. Das ist Teil des Berufs. Unser Profi-Kunde hat eine Liste, was er braucht, die wird abgearbeitet und nicht alles davon ist ohne Weiteres ersetzbar. Unsere Kunden brauchen Planbarkeit und setzen darauf, dass wir verlässlich haben, was sie brauchen.
Wenn aber ein Lieferant ein Produkt um zehn Prozent verteuern möchte und andere Hersteller von vergleichbaren Produkten werden nur um wenige Prozent teurer, dann stimmt etwas nicht und dann gibt es schon Erklärungsbedarf. Denn es gibt ja den sogenannten Marktpreis. Derzeit ist eher die Warenverfügbarkeit das größere Problem. Zur Erklärung: Wenn ein Kunde genau die Tomatensauce, mit der er seit Jahren arbeitet, nicht findet, ist das meist ein größeres Thema, als wenn die Sauce teurer geworden ist. Ich sage also nicht, dass uns der Preis egal ist, aber Warenverfügbarkeit und Verlässlichkeit haben Vorrang.

Viele Händler setzen aktuell verstärkt auf regionale Produkte, auch weil deren Verfügbarkeit eben oft besser gegeben ist. Wie geht es hier der Regionah-Pruduktpalette von Metro? Soll die weiterhin wachsen?
Ja und in dem Bereich ergänzen wir uns sehr gut mit AGM, die ebenfalls schon länger regionsorientiert gearbeitet hat. Wir haben erst kürzlich in den Großmärkten Klagenfurt und Dornbirn neue regionale Produzenten gelistet. Also ja, unser Regionah-Programm ist dank strenger Auflagen ein Garant für Förderung der Regionen, sehr erfolgreich und wird auch weiter forciert, zudem wird es von unseren Kunden sehr geschätzt.

Kommt es zu einer Befruchtung seitens AGM oder muss sich letztendlich alles der Metro-Philosophie unterordnen?
Keinesfalls! Die Idee ist ja nicht, dass AGM seine Stärke verliert. Wir wollen das Beste aus beiden Welten erhalten und gemeinsam weiterwachsen.

Das hat unsere Regierung auch versucht…
(lacht) Wir können das besser!

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