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Wie geht es im Tourismus weiter?

tourismus covid19 Der Branche steht ein steiniger Weg bevor. Der Fokus auf den österreichischen Gast zeigt sich dabei als Hoffnungsschimmer.
Der Branche steht ein steiniger Weg bevor. Der Fokus auf den österreichischen Gast zeigt sich dabei als Hoffnungsschimmer.

Eine von der WKO in Auftrag gegebene Studie untersucht die potentiellen Auswirkungen der Corona-Krise auf österreichische Beherbergungsbetriebe. Die Prodinger Tourismusberatung analysiert die unterschiedlichen Szenarien.

Die Prodinger Beratungsgruppe wurde von der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), Fachverband Hotellerie, beauftragt, verschiedene Auswirkungs-Szenarien der Corona-Krise (Covid-19) zu erstellen. Im Fokus steht die Berechnung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen von Beherbergungsbetrieben wie Umsatz, Nächtigungszahlen und Auslastung, sowie eine Einschätzung der kommenden Sommersaison 2020.

Vom Plus zum Minus

Seit dem Ausbruch der Pandemie kämpfen Tourismusbetriebe in Österreich mit massiven Umsatzeinbrüchen. Nach einer äußerst erfreulichen Wintersaison 2019/20, folgte aufgrund der Betriebsschließungen ab Mitte März ein historischer Tiefststand der Auslastungen. Nach ersten Schätzungen betragen die Gastronomieverluste im touristischen Winterhalbjahr 2019/20 (November bis April) 16,5 Prozent.

Preisverfall erwartet

Nach Expertenschätzungen müssen die Hoteliers einen österreichweiten Auslastungsrückgang von 30 Prozent im März und von 85 Prozent im April 2020 verkraften. Ein Preisverfall von 12 bis 18 Prozent wird in den Sommermonaten dieses Jahres erwartet. Dies geht aus einer aktuellen Analyse hervor, welche die Prodinger Beratungsgruppe im Auftrag des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich soeben vorgelegt hat.

Im Fokus der Studie stehen drei unterschiedliche Szenarien der Covid 19-Krise, berechnet auf Basis betriebswirtschaftlicher Kennzahlen wie Umsatz, Nächtigungszahlen und Auslastung. Die Prodinger Beratungsgruppe hat als Sample für die vorliegende Analyse das Beherbergungswesen und die Gastronomie herangezogen, in Summe rund 47.800 Unternehmen mit 320.000 Arbeitsplätzen und 21,3 Mrd. Euro Umsatz.

Optimistisch, pessimistisch oder realistisch

Die Studie beschreibt den Sommer 2020 in der Beherbergung mit folgenden drei möglichen Szenarien.

Szenario 1 („Best Case“) geht von einem ab Mitte Mai wieder langsam anlaufenden Reisebetrieb aus, beginnend mit Lockerungen bei Inlandsreisen. Die Nachfrage aus dem Ausland würde jedoch noch länger nachhaltig gedämpft bleiben.

Bei den Szenarien 2 und 3 wird befürchtet, dass die Krisensituation bis Juli/August 2020 (oder sogar darüber hinaus) anhält. Während im ersten Szenario der Nächtigungsrückgang im Sommer auf 34,4 Prozent begrenzt bleibt, erhöht sich das Minus in Szenario 2 („Bad Case“) auf 44,7 und in Szenario 3 („Worst Case“) auf 54,8 Prozent. Bei den erwartbaren Umsatzeinbußen lauten die drei Szenario-Voraussagen minus 2,2, minus 2,8 und minus 3,3 Mrd Euro, respektive minus 42,2, minus 53 und minus 62,8 Prozent.

Bezogen auf das gesamte Tourismusjahr 2019/2020 (Nov. bis Okt.) wird ein Rückgang der Gästenächtigungen um 24,6 Prozent (Szenario 1) bzw. um 30 Prozent (Szenario 2) und 35,2 Prozent (Szenario 3) für wahrscheinlich gehalten. Die damit korrespondierenden Umsatzprognosen lauten minus 3, minus 3,6 und minus 4,1 Mrd. Euro.

Gastronomie

In der Gastronomie-Berechnung geht die Analyse vom „Best Case“-Szenario mit einem vorerst auf das Mittagsgeschäft begrenzten „Re-Start“ ab Mitte Mai aus. In den folgenden Monaten erholt sich die Gastronomie nach und nach. Auf die ganze Gastronomiebranche hochgerechnet kann man von Umsatzverlusten in der Höhe von rund 3,3 Milliarden Euro (– 28,8 Prozent) im Vergleich zu 2019 ausgehen.

Lichtblick

Die Studie lässt auch einen Hoffnungsschimmer erkennen. Dieser liegt darin begründet, dass sich der heimische Tourismus in der Vergangenheit von Krisen oft rasch erholt hat. Viele Beherbergungsbetriebe werden sich in der vorherrschenden Ausnahmesituation vorerst auf den Heim- und Nahmarkt konzentrieren. Dadurch werden im laufenden Jahr die vom einheimischen Tourismus getriebenen Destinationen weniger leiden als die international ausgerichteten.

Fazit
Die Beherbergung (16.500 Betriebe) kommt im „Best Case“ im Jahr 2020 auf einen Umsatzverlust von 3,1 Mrd. Euro (– 29 Prozent). Im Durchschnitt verringert sich der Erlös jedes Beherbergungsbetriebes um 190.000 Euro. 85 Prozent werden im laufenden Jahr in die Verlustzone rutschen. Bei Eintreten des „Worst Case“-Szenarios würden die Umsätze wieder auf das Niveau von 2008 zurückfallen.

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