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Green, Eco, verträglich!

Nachhaltige Konzepte


Nachhaltige Konzepte entscheiden über den touristischen Erfolg. Österreich soll, wie bereits 2018 im Plan T verankert, DIE nachhaltigste Region Europas werden.


Pandemie, Klimawandel und verstärkte Bewusstseinsbildung zu diesem Thema haben die Entwicklung hin zur Nachhaltigkeit beschleunigt und sie wird, wie bei den Tourismustagen deutlich wurde, die touristische Zukunft bestimmen. Österreichs Perspektiven als Green Destination, die Zukunft der Mobilität, aber auch das verträgliche Miteinander, stehen im Fokus. Denn die Zukunftsvision heißt laut Experten: New Culture of Travelling und bedeutet, „Nicht ‚der Gast ist König‘, dem alle Bedürfnisse erfüllt werden, sondern wir suchen uns die Gäste, die zu uns passen“.

Doch was ist nachhaltiger Tourismus?

Green, Eco oder sanft – wie immer man es nennen möchte, immer steckt ein Gedanke dahinter: Ressourcen sollen so genutzt werden, dass ökonomische, soziale und ästhetische Bedürfnisse zufrieden gestellt werden sowie ökologische Prozesse und lebenswichtige Systeme erhalten bleiben (UNWTO). Im Tourismus steht dabei der Fokus stark auf An- und Abreise und so werden Regionen aktiv. Für Martin Klässner, Gründer has.to.be GmbH, werden Elektromobilität und Ladeinfrastruktur zum Wettbewerbsfaktor für Destinationen. „So haben sich bereits 56 Prozent der Gäste mit Elektrofahrzeug aufgrund fehlender Ladeinfrastruktur gegen ein Hotel entschieden“, so Klässner, und ist überzeugt, „dass in drei Jahren alle Destinationen ein Problem haben, die sich jetzt nicht um das Thema Infrastruktur für Elektromobilität kümmern“.

Kärnten bietet seinen Gästen ein gut ausgestattetes E-Bike Verleihsystem und ein dichtes Netz an öffentlichen ETankstellen und zusätzlich über 150 Lademöglichkeiten allein bei Hotels, Campingplätzen, Ausflugszielen und Sportanlagen.

Auf grüne Mobilitätsinitiative setzt man auch am Wilden Kaiser: Beratung zur Bahnanreise samt kostenlosem Transfer sowie gratis Rad-Nutzung vor Ort – den Gästen stehen 20 „Regio Räder“ zur Verfügung sowie kostenlose Wander- und Seebusse.


„Ein nachhaltiger Tourismus fördert ein Urlaubserlebnis, das einen geringen Fußabdruck hinterlässt, also mögliche Belastungen sowohl in der Destination als auch für die Umwelt generell sowie auch für die Bereisten weitestgehend reduziert und gleichzeitig einen positiven Beitrag für die Entwicklung der Destination leistet. “

Andreas Tschulik, Leiter der Abteilung betrieblicher Umweltschutz und Umwelttechnologie im Klimaschutzministerium, zuständig für das Österreichische Umweltzeichen


„Ein nachhaltiger Tourismus fördert ein Urlaubserlebnis, das einen geringen Fußabdruck hinterlässt, also mögliche Belastungen sowohl in der Destination als auch für die Umwelt generell sowie auch für die Bereisten weitestgehend reduziert und gleichzeitig einen positiven Beitrag für die Entwicklung der Destination leistet. “ Andreas Tschulik, Leiter der Abteilung betrieblicher Umweltschutz und Umwelttechnologie im Klimaschutzministerium, zuständig für das Österreichische Umweltzeichen

Heute Kür, morgen Pflicht!

Nachhaltigkeit ist Pflicht für die folgenden Generationen. Foto: Salzburgerland
Nachhaltigkeit ist Pflicht für die folgenden Generationen.

An vielen Stellschrauben zum Thema Nachhaltigkeit wird schon länger in der Hotellerie gedreht, die Präsident Walter Veit, als „Speerspitze des Tourismus“ tituliert. Neubauten werden ganz grundsätzlich unter nachhaltigen Aspekten getätigt, Materialen so weit als möglich regional lukriert und der größte Brocken mit dem höchsten Einsparungspotenzial, die Energie, wird mittels unterschiedlicher Alternativen angegangen. Mit Hackschnitzel und Pellets agieren die einen, auf Photovoltaik oder Biogas-Anlagen setzen die anderen.

Auch das ÖHV Praktiker Seminar „Mehr Nachhaltigkeit im Hotelbetrieb“ am 21.6. 22 widmet sich diesem Thema und Brigitta Brunner, Leiterin des ÖHV-Campus, ist überzeugt, dass kein Unternehmen an nachhaltiger Betriebsführung vorbeikommt: „Die first mover haben die Pflöcke eingeschlagen, jetzt müssen auch die anderen handeln. Ziel des Seminars ist es, das große Wort ‚Nachhaltigkeit‘ in kleine, bewältigbare Teilschritte herunterzubrechen und anhand von best practice-Beispielen zu veranschaulichen.“

Einer dieser „first mover“ ist das Biohotel Rupertus in Leogang: Seit 2015 zu 100 Prozent im Sinne der Regionalität unterwegs, gesellen sich eine Ziegelbauweise mit Kalkputz bis zum zweiten Stock, drüber ein nachhaltiger Holzbau mit Tonputz. Ton ist atmungsaktiv und sorgt für angenehmes Raumklima, der alte „Lösch-Kalk-Fass“ beim Ziegelbau hat einen hohen ph-Wert und arbeitet somit als Luftbefeuchter. Stoffe aus regionaler Baumwolle, Loden und Leinen und mit dem Ecolabel zertifizierte Reinigungsmittel sind selbstverständlich. Auf die Frage: „Wie wird man trotz neuem Wellnessbereich klimaktiv?“, antwortet Gastgeberin Nadja Blumenkamp: „Wir heizen im neuen Wellnessbereich, wie im restlichen Hotel, biologisch durch unser Biomasse Heizwerk und Wasserkraft!“ Eine weitere Photovoltaikanlage ist geplant und eine Anlage zur Wärmerückgewinnung wurde installiert. Der Fuhrpark für Mitarbeiter wie für Gäste besteht aus E-Mobilität.

Seit 2019 klimaneutral (und seitdem auch mit dem Green SPA Award ausgezeichnet) und seit 2020 mit einem CO2-Fussabdruck von 2,41 kg CO2 (üblich sind 25 – 45 kg CO2 ) pro Gast und Übernachtung, passt auch das neue Spa zur Philosophie.

www.rupertus.at

Nadja Blumenkamp, Gastgeberin im Biohotel Rupertus, setzt auf 100 Prozent BIO. Trotz neuem Spabereich ist das Biohotel Rupertus klimaneutral. Fotos: Hotel Rupertus
Nadja Blumenkamp, Gastgeberin im Biohotel Rupertus, setzt auf 100 Prozent BIO. Trotz neuem Spabereich ist das Biohotel Rupertus klimaneutral.

„Wir sind die letzte Generation, die etwas gegen den Klimawandel unternehmen kann. Deswegen müssen wir im Tourismus mehr tun, mutiger sein und schneller umsetzen.“

Markus Frewein, GF verkehrplus GmbH


„Wir sind die letzte Generation, die etwas gegen den Klimawandel unternehmen kann. Deswegen müssen wir im Tourismus mehr tun, mutiger sein und schneller umsetzen.“

Do it yourself!

Die Gruppe der Accor Hotels mit 5.000 Hotels in 110 Ländern zählt zu den größten Hotelketten weltweit und investiert aktiv selbst in Nachhaltigkeit. Accor vertritt mit der Marke greet das Kozept, alte Dinge neu zu nutzen (von Möbeln bis zu Accessoires) und diese durch nachhaltige Materialien zu ergänzen. In Deutschland bereits Praxis, eröffnen im kommenden Jahr auch in Wien zwei Hotels der Marke greet. 2018 ist Accor außerdem eine strategische Partnerschaft mit der Eco-Hotelkette mantis eingegangen. Bei mantis werden touristische Angebote so entwickelt, dass Umgebung und lokale Gemeinschaften respektvoll behandelt werden.

Die nachhaltige Betten-Serie unter der Marke „LIVE N DREAM“ wurde selbst entwickelt und beinhaltet Bettdecken und Kopfkissen aus hochwertiger, mit recycelten PET-Flaschen hergestellter Mikrofaser, bis zum Bettrahmen mit Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

https://all.accor.com

Gemeinwohl als Zukunftsvision

Tourismus ist mehr als eine Zahl im BIP und auch mehr als das Füllen von Betten. Hier geht es um mehr als Ankünfte, Nächtigungszahlen und Umsätze. Der Mix aus Umweltqualität, dem Wohlbefinden der Gäste, Mitarbeiter und der Einheimischen muss sich in der Erfolgsbewertung niederschlagen. Womit sich der Kreis wieder schließt: Der Einheimische ist eigentlich der Hauptdarsteller im Bühnenstück Urlaub und er mischt auch die Karten. Ihm Spielregeln an die Hand zu geben, die er im besten Fall auch mitbestimmen kann, ist sinnvoll. Denn seine Mitarbeit entscheidet über den langfristigen Erfolg einer Destination. Zahlen aus Studien sprechen eine deutliche Sprache: Jeder zehnte europäische Urlauber bucht bereits umweltfreundliche Hotels, zwei der Drittel der Generation Z stehen dem Thema Nachhaltigkeit sensibel gegenüber. Ergo dessen ist das die Zukunft im Tourismus – und dafür braucht es die Einheimischen.

Südtirol geht das Thema relativ radikal an: Die Südtiroler Landesregierung will im Sinne eines nachhaltigen Tourismus eine Bettenobergrenze einführen. Demnach soll die Bettenanzahl auf dem Niveau von 2019 eingefroren werden.

Grüne Energie durch Biogas

Eine aktuelle Studie der Ökonomen Univ.-Prof. Dr. Christian Helmenstein vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung und Dr. Anna Kleissner von Econmove zeigt: Grünes Gas in Form von Biogas ist ein Konjunkturmotor für Österreich. Die Forscher raten zu Anschubfinanzierungen durch die öffentliche Hand, denn 1 Mio. Euro Förderung löst 3,3 Mio. Investitionen aus. Im laufenden Betrieb ist Biogas genauso wettbewerbsfähig wie andere erneuerbare Energien, außerdem kann Grünes Gas saison- und wetterunabhängig jederzeit produziert und in den Gasspeichern gelagert werden. Gülle oder jedes andere organische Material, wie zum Beispiel Lebensmittelabfälle, werden in der Biogasanlage zu CO2 neutralem Strom.

Förderstellen des Bundes sind www.publicconsulting.at oder der Klima Energie Fonds www.klimaaktiv.at/erneuerbare/biogas.html

 

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