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Die Aussichten sind gut

Sommertourismus in Österreich


Das sagt zumindest eine Studie im Auftrag der Österreich Werbung zum Thema Sommertourismus in Österreich.


Die potenziellen Gäste sitzen auf gepackten Koffern, Covid ist so gut wie kein Thema mehr und die Reisefreiheit ist weitgehendst gegeben. Also alles paletti? Der Tourismus als Selbstläufer? Nicht ganz, denn Reisefreiheit bedeutet auch Konkurrenz aus dem Ausland und die Inflation ist schließlich auch noch da.

Es sind die seit Jahren erfolgreichen Tools, auf die man auch heuer setzt: Kulinarik, intakte Landschaften - wobei die Entdeckung der Natur als Erholungsraum eine junge Entdeckung ist, die erst ab dem 18. Jahrhundert Einzug hielt, so Philosoph Konrad Paul Liessmann - und die herzliche Gastfreundschaft im Kernland dieser Kategorie. Wobei letztes gerade auf eine harte Probe gestellt wird angesichts des eklatanten Fachkräftemangels und Insider bereits von einem generellen Mitarbeitermangel sprechen und froh wären, würden sich überhaupt noch genügend Bewerber einstellen. Diese zu Fachkräften zu machen, wäre dann der zweite Schritt. Der Expertentipp an alle Arbeitgeber dazu lautet: „Ihre Homepage muss gut sein!

Digitalisierung ist durch nichts mehr aufzuhalten

Die Österreichischen Tourismustage als größte Branchenveranstaltung hat das diesjährige Treffen unter das Motto „ReDesign Tourism I now“ gestellt, was so ziemlich alles aussagt. Konzepte für die Zukunft des Tourismus prägten die Inhalte, die ganz stark auf Digitalisierung in allen Bereichen fokussierte. „Digitalisierung ist der Punkt“, ist auch Richard David Precht, deutscher Publizist und Philosoph, überzeugt.

„Die Tourismusvereine stehen damit im digitalen Wettbewerb!“

– ist die Kernaussage der Herausforderung.

Auf und davon

Der Philosoph Konrad Paul Liessmann eröffnete bei den ÖTT seinen Vortrag unter dem Titel „Auf und davon“ mit einem Exposé zur Bedeutung des Urlaubes, der eine deutliche Veränderung erfahren hat. Dessen ursprüngliche Bedeutung, nämlich „Feiertage“, spiegelt sich noch heute im englischen Begriff für Urlaub, den „Holidays“ wider und sollte den Erholungsfaktor im Mittelpunkt haben. Tatsächlich hat sich der Urlaub aber komplementär zur Arbeitswelt entwickelt: Nämlich möglichst viel hineinzupacken. Viele Touristiker haben allerdings erkannt, dass das nicht das Gelbe vom Ei sein kann und setzen bereits auf Gegenstrategien: Slow ist der große Hoffnungsträger, ebenso offline im Urlaub sowie Digital Detox (Digital darf nur die Buchung sein und alles, was den Komfort sichert) und vor allem das Naturangebot. Oberösterreich setzt mit seinem Angebot Naturschauspiel seit Jahren auf dieses Thema und bietet heuer 137 geführte Touren dazu an. Die mehrfach ausgezeichnete Naturraum-Leitkampagne, die heuer endet, setzte nochmals den Fokus genau auf diesen Bereich und generierte unter anderem 235 Millionen Sichtkontakte mittels Online-Werbung, zusätzlich konnten mit den Geschichten rund um Oberösterreichs Naturräume 35,4 Millionen Leser erreicht werden.

Der boomende Campingtourismus mit seinem luxuriösen Zusatzangebot Glamping, bei dem unter anderem auch Luxushotels den Campern Stellplätze und die Nutzung der Infrastruktur zur Verfügung stellen, unterstreicht das Bedürfnis nach Natur.


„Touristiker von heute inszenieren keine Urlaubsräume mehr, sondern sind Lebensraumgestalter für Gäste und Einheimische.“


Essenziell sei es, die Ansprüche der Einheimischen und Gäste mit der Natur und Landschaft zu vereinbaren. Für ihn hat der Tourismus als wirtschaftliche Triebkraft die Rolle des Katalysators für eine Mobilitätswende im ländlichen Bereich übernommen. Jan Schubert, Destinationsmanager Pfronten im Allgäu

„Touristiker von heute inszenieren keine Urlaubsräume mehr, sondern sind Lebensraumgestalter für Gäste und Einheimische.“

Gemeinsam zum Ziel

Dazu die omnipräsente Kulinarik-Strategie, die in allen Bundesländern touristisch die Hauptrolle spielt und zusätzlich noch über Metathemen spezifisch auf die Regionen heruntergebrochen wird.

So hat man in Schladming mit dem Projekt der Genusspartner das Ziel, noch mehr Lebensmittel und Produkte der regionalen Direktvermarkter in die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe zu bringen. Mehr als 50 Betriebe aus der Region sind bereits dabei und es wurde eine Kooperation mit dem Netzwerk Kulinarik gestartet, das hinter der Qualitäts- und Herkunftssicherung der AMA Genuss Region steht. Ein „Schladming-Dachstein Genusspartner“ ist nun ein geprüfter Betrieb, der sich einer regelmäßigen Qualitätsund Herkunftssicherung einer unabhängigen Kontrollstelle zu unterziehen hat. Der Tourismusverband der Region unterstützt mit einer eigenen Online- Plattform und umfassenden Aktivitäten in Social-Media-Kanälen. Die während der Pandemie aufgetretenen Versorgungsengpässe rückten die Direktvermarkter der Region in den Vordergrund, der „Bauer ums Eck“ wurde wieder relevant.

www.schladming-dachstein.at

Bei den Mostviertler Feldversuchen soll die Region Schritt für Schritt zur kulinarischen Ausnahmeregion werden. Ein kulinarisches Experiment nennen es die beteiligten Gastronomen und Produzenten, wenn sie gemeinsam mit ihren Gästen auf allerhöchstem Niveau Neues ausprobieren. „Wir loten die Grenzen des Machbaren aus“, so die Protagonisten. Seit 2019 steht die Vielfalt der regionalen Produkte im Mittelpunkt, die weit über die Dindl hinausgeht und hat seither – trotz Corona -600 Gäste neugierig gemacht.

www.mostviertel.at

Laut Liessmann schafft der Tourismus eine spezifische Form der Begegnung zwischen jenen, die kommen und jenen, die dort sind, die Entspannung schafft. Urlaub sei die vorweggenommene Utopie, die Erfüllung von Sehnsüchten. Es wird ein anderer Tourismus aus der Pandemie hervorgehen, sagt Oliver Fritz vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung anlässlich der Österreichischen Tourismustage. Die boomenden hybriden Veranstaltungen sind eine davon, was sich beim Forum Alpbach, laut Geschäftsführer Feri Thierry bewährt hat.

Für Robert Seeber, Bundesspartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKO, ist die Resilienz gegenüber sich rasch ändernden Situationen als eine der wesentlichsten Faktoren. Eine Erkenntnis aus Corona, wo der Tourismus stark betroffen war und flexibel handeln musste.

Vorhang auf für den Tourismusstandort

Das Team in der Innovation Marktforschung in der ÖW stellte bei den ÖTT die Frage: Wie wird der Sommer 2022? Und beantwortete sie mit „Gut“. Es sieht gut aus in Österreichs Top-Märkten. Denn viele wollen nach Österreich und Österreich ist mit seinem vielfältigen Urlaubsprodukt gut aufgestellt und trifft damit die Wünsche der potenziellen Gäste nach Natur, Kultur und Erholung sehr gut. Was Österreich auszeichnet ist, dass es sehr Wellness affin ist, so die Fachleute. Das hat so kein anderer Markt. Die Konkurrenz ist allerdings härter als im Winter! Abgefragt wurden bei der Studie, welche Bedürfnisse die Urlauber haben, mit welchen Gästen wir noch rechnen dürfen. Ganz klar liegt das größte Potenzial beim Inlandsurlauber, denn: Wenn nichts mehr geht, das geht meistens doch noch! Und das größte Hemmnis? Die Sehnsucht nach dem Strandurlaub ist groß!

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