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„Es vergeht fast kein Tag, an dem keine Preiserhöhung eines Lieferanten reinkommt“

schlimmste Inflation seit über 40 Jahren


Die derzeit schlimmste Inflation seit über 40 Jahren macht auch dem C&C-Handel zu schaffen. Die steigenden Preise müssen an den Kunden weitergegeben werden und bei einzelnen Warengruppen ist man bereits auf der Suche nach Ersatzprodukten, um etwaige Ausfälle kompensieren zu können.


Ölvorräte sollte man derzeit haben – und wir sprechen nicht von Erdöl, sondern von normalem Speiseöl. Denn die Preise für Sonnenblumen- oder Rapsöl gehen derzeit durch die Decke: plus 50, 60 oder gar 70 Prozent binnen weniger Wochen? Eher Alltag als Ausnahme. Und das betrifft nicht nur diese Warengruppe. Fleisch, Milchprodukte, Tiefkühlwaren, Trockensortiment – die Preisschilder werden im Lebensmittelhandel derzeit so oft getauscht wie sonst in Simbabwe oder Venezuela. Dabei sind steigende Preise derzeit nur ein Problem. Die andere Baustelle ist nämlich die Warenverfügbarkeit, die trotz der gestiegenen Preise Sorgen macht. Schon werden erste Fotos von leeren Supermarktregalen in den sozialen Medien gepostet, schon machen erste Gerüchte von Hamsterkäufen die Runde, schon machen sich Händler auf die Suche nach Ersatzprodukten, um auch in Zukunft die Verfügbarkeit aller relevanten Warengruppen sicherstellen zu können. GASTRO hat daher bei den großen C&C-Händlern nachgefragt, wie sie mit der Situation umgehen, wie sie auf steigende Einkaufskosten und etwaige Warenausfälle reagieren.

Speiseöl als „Vorzeige“- Preiserhöhungsprodukt

Dass etwa Speiseöl das derzeitige „Vorzeige“- Preiserhöhungsprodukt ist, gibt auch Metro zu, man geht aber davon aus, dass auch anderen Warengruppen, wie z.B. Eier, Rindfleisch und auch Hygienetücher, vor Preisanpassungen stehen. Warengruppen mit mittelfristiger Preisstabilität sieht man in der Metro- Zentrale leider auch keine. Allerdings verspricht der Großhändler seinen Kunden selbst bei kurzfristigen Warenausfällen immer eine Alternative im Angebot: „Wir arbeiten stetig und frühzeitig daran, möglicher mangelnder Verfügbarkeit entgegenzuwirken, daher sind wir im Einkaufs Management der Metro gewöhnt, laufend auf der Suche nach gleichwertigen alternativen Produkten zu sein“, versichert uns eine Sprecherin auf Anfrage.

Für Kröswang sind die Probleme in den Lieferketten derzeit noch „überschaubar“, was nach Ansicht von Marketingchef Axel Obermayer an der Spezialisierung beim Sortiment und an den guten Beziehungen zu den Lieferanten liegt. „Dass auch wir Preissteigerungen verarbeiten müssen steht außer Frage. Für uns ist aber wichtig, dass das für alle Marktteilnehmer gleichermaßen fair und nachhaltig passiert. Wir haben nichts davon, wenn wir uns durch starke Preiserhöhungen ‚schadfrei‘ halten möchten, sich aber unsere Kunden die Produkte nicht mehr leisten können. Natürlich können wir nicht jede Preiserhöhung unserer Lieferanten einfach so akzeptieren. Aber es bringt ebenso wenig, wenn wir unseren Lieferanten keine Preiserhöhung zugestehen, da sonst die gesamte Kostenlast bei ihnen liegen bleibt. Das kann sich am Ende nicht ausgehen. Es soll keiner übrig bleiben – nur so kommen wir auch gemeinsam wieder in ein normales Preisgefüge“, so Obermayr. Und weiter: „Momentan versuchen wir unsere Preise so wenig wie möglich anzuheben und so lange wie möglich stabil zu halten. Und wenn es unvorhergesehen doch zu einem Lieferengpass kommt, informieren wir unsere Kunden so oder so mit einem alternativen Produktvorschlag, sodass der Kunde sein geplantes Menü oder sein auf der Speisekarte befindliches Gericht zubereiten kann.“

Möglichst frühzeitige Bestellungen werden empfohlen

Auch das Handelshaus Wedl rechnet mit steigenden Preisen, speziell für Speiseöle und deren Folgeprodukte (wie beispielsweise Mayonnaise) sowie Weizenerzeugnisse aller Art. „Aber auch am internationalen Fisch- bzw. Fleischmarkt herrscht derzeit eine angespannte Situation, auch hier wirken sich die explodierenden Energiekosten sowie die politischen Ereignisse massiv auf die Preise, aber auch auf die Liefer- und Versorgungsketten aus“, weiß Marketingchefin Birgit Delmarco. Als Großhändler sei man natürlich bemüht, eine möglicherweise eintretende Rohstoffknappheit und daraus folgende Preisanstiege bestmöglich abzufedern. Diesbezügliche Maßnahmen seien beispielsweise die Suche nach alternativen Lieferpartnern und Substitutionsprodukten für Weizenerzeugnisse. Delmarco: „Darüber hinaus ist grundsätzlich mit einer gewissen Volatilität hinsichtlich der Produkt- und Warenverfügbarkeit zu rechne. Im Sinne einer gesteigerten Planbarkeit und ausreichender Vorlaufzeiten für alle Beteiligten, empfehlen wir unseren Kunden aus Gastronomie und Hotellerie eine möglichst frühzeitige Durchführung ihrer Bestellungen und Aufträge.“

Peter Krug, Geschäftsführer Eurogast Österreich, weist darauf hin, dass alle Branchen, nicht nur die Lebensmittelbranche, derzeit von Preissteigerungen in unterschiedlichstem Ausmaß betroffen seien. Durch das derzeit schwierige Umfeld ließen sich die Kostensteigerungen kaum durch neue Technologien bzw. effizientere Produktionsmethoden wett machen: „Letztlich regelt jedoch auch der Preis den Nachfragemarkt, das bedeutet, wenn Produkte am Markt nur bedingt verfügbar sind, steigen die Preise und die Nachfrage beginnt letztlich zu sinken. Es gibt ja in vielen Segmenten Ausweichprodukte, speziell im Foodbereich kann der Gastronom hier sicherlich mit Anpassungen der Speisekarten reagieren.“ Mit Totalausfällen rechnet Krug aus heutiger Sicht nicht. Speziell in volatilen Zeiten wie derzeit könne Eurogast durch seine weit verzweigte und umfangreiche Infrastruktur eine Versorgungssicherheit in hohem Ausmaß garantieren.

Viele Produkte sind miteinander vernetzt

Auch bei Marktführer Transgourmet ist man derzeit Kummer gewohnt: „Preiserhöhungen gibt es im Grundnahrungsmittelbereich praktisch überall, es vergeht fast kein Tag, an dem nicht irgendeine Preiserhöhung eines Lieferanten bei uns reinkommt. Trockensortiment, Fleisch, Frische- oder Tiefkühlprodukte – das ist alles im Steigen. Relativ stabil ist noch der Getränkesektor. Das Problem ist, dass viele Produkte miteinander vernetzt sind und wenn Sonnenblumenöl teurer wird, betrifft das auch Pommes frites oder Chips“, erklärt Manuel Hofer, Geschäftsführer Top- Team Zentraleinkauf und Geschäftsleiter Transgourmet Österreich. Die generelle Warenverfügbarkeit sei derzeit noch überall gut, wenn man allerdings ein paar Monate in die Zukunft blicke, rechne man schon mit ein paar Warengruppen, bei denen es eng wird. Allerdings müsse man mit solchen Prognosen extrem aufpassen, weil es sonst erst wieder zu Hamsterkäufen kommen könnte, was solche Aussagen dann zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung mache. Aber natürlich sei auch Transgourmet auf der Suche nach Ersatzprodukten, statt Sonnenblumenöl könne etwa Soja- oder Rapsöl verwendet werden. Hofer: „Warenverfügbarkeit hat für uns oberste Priorität. Bei den Preisen haben wir leider wenig Spielraum. Das ist nicht wie in der Vergangenheit, dass man sowas ‚durchtauchen‘ konnte. Die Erhöhungen bleiben und daher müssen wir sie jedenfalls weitergeben.“

Bei der Kastner-Gruppe schließlich sieht man vor allem Speiseöle, Mehle, Kaffee, Zellstoffprodukte/Verpackungsmaterial (Alufolie, Frischhaltefolie etc.) und Frischfleisch (aufgrund von Futtermittel) von der Preiserhöhungen betroffen. Generell gäbe es aber keine Warengruppe, die von den gestiegenen Preisen nicht betroffen wäre. Kritisch könnte es laut Kastner-Angeben in Zukunft für Produktgruppen wie Sonnenblumenkerne, Sonnenblumenöl (generell Speiseöl), Tiefkühlzander, Tiefkühlkabeljau, Teigwaren, Reis oder Honig aufgrund fehlender Rohstoffe, aber auch wegen fehlender Verpackungen oder eines Importstopps zu Lieferproblemen kommen. „Wir sind laufend damit beschäftigt, die Produktversorgung unserer Kunden sicherzustellen. Die derzeitige Lage ist aufgrund der Corona-Pandemie und der Ukrainekrise verschärft. Ware ist grundsätzlich vorhanden, die bezahlbaren Preise sind die größere Problematik“, erklärt eine Kastner-Sprecherin auf Anfrage von GASTRO.

Aus der GASTRO 5/22
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