Du bist hier
Home > Branchen Insider > Getränke > Wenn der Bestseller seine Herkunft leugnet

Wenn der Bestseller seine Herkunft leugnet

Vodka


Vodka gehört zu den meistverkauften Spirituosen in jeder Bar und der Hinweis auf authentische russische Wurzeln war immer eine Art Qualitätssiegel. Das hat sich seit wenigen Wochen geändert.


Vodka hat seit kurzem ein kleines Problem: Denn einerseits gehört das „Wässerchen“, so die wörtliche Übersetzung, noch immer zu den beliebtesten Spirituosen in Österreich. Von 2020 auf 2021 wuchs der Vodka-Markt laut AC Nielsen um +4,1 Prozent im Volumen und +5,1 Prozent im Umsatz, vor allem durch Premium- Marken. „Das Bewusstsein für Qualitätsprodukte und ein dementsprechendes Kaufverhalten in Richtung hochwertiger Produkte ist seit Jahren erkennbar“, weiß etwa Alexander Ludwig, PR-Manager bei Getränkeimporteur Top Spirit.

Andererseits leidet das Image derzeit unter dem Ukraine-Krieg. Das ungeachtet der Tatsache, dass viele der bekanntesten Vodka-Marken wie Absolut (Schweden), Belvedere (Polen), Finlandia (Finnland), Gorbatschow (Deutschland) oder Grey Goose (Frankreich) aus anderen Ländern stammen. Trotzdem ist der Run auf Produkte, die irgendwie mit Russland assoziiert werden, derzeit eher enden wollend.

Alternativen zu russischen Marken gesucht

Alternativen zu russischen Marken gesucht Von zitronig bis pfeffrigDas erkennen auch die Importeure: „Die Nachfrage nach in Russland produzierten Gütern ist aktuell stark rückläufig. Mit Vodka-Marken, wie Grasovka, der polnischen Vodkaspezialität mit echten Büffelgrashalmen haben wir jedoch qualitativ hochwertige und nachgefragte Alternativen im Sortiment, deren Listungen sich nun ausweiten“, so Alexander Ludwig. Ähnliche Erfahrungen macht Getränkeimporteur Morandell: „Vereinzelt kommen immer mehr Kunden auf uns zu um die Herkunft zu hinterfragen und gegebenenfalls Alternativen angeboten zu bekommen“, erklärt man dort auf Nachfrage. Wobei der Vodka- Markt seit Ausbruch der Pandemie generell rückläufig sei, wenn auch auf hohem Niveau. Allerdings seien natürlich seit den ersten Lockdowns im März 2020 die Vodka- Absätze in der Gastronomie stark zurückgegangen, da Vieles vom Volumen in der Nachtgastronomie konsumiert werde. Wie die Praxis beim Thema Vodka aussieht, weiß indes Tobias Cornelius, Assistant Bar Manager im Hotel Ritz-Carlton Vienna. Für ihn ist Vodka eine der wichtigsten Spirituosen im Angebot: (Das Gespräch wurde wenige Tage vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine und damit noch vor Beginn der Sanktionen gegen Russland geführt, Anm. d. Red.) „Der Absatz ist bei uns konstant hoch – auch weil wir ja so viele internationale Gäste haben. Gerade die Amerikaner bestellen als erstes meist Vodka-Soda oder Vodka-Tonic.“ Allerdings würde Vodka eben zumeist als Longdrink oder Cocktail getrunken werden. „Pur bestellen ihn fast nur Russen oder andere Osteuropäer“, weiß Cornelius. Das Spannende bei Vodka sei, dass – obwohl diese Spirituose nicht gerade durch ihre extreme Geschmacksvielfalt glänze – jeder Konsument seine bevorzugte Lieblingsmarke hätte, die dann auch relativ wenig Spielraum beim Verkaufen lasse. „Da kann ich nicht sagen, die Marke XY hab ich nicht, nehmen wir dafür was anderes. Grey Goose, Belvedere, Stolichnaya, Absolut sind so die Marken, an denen man nicht vorbei kommt, aber auch Nischenprodukte wie Reisvodka kommen inzwischen sehr gut an“, weiß Cornelius.

Von zitronig bis pfeffrig

Tobias Cornelius serviert im Ritz-Carlton Vienna immer öfter einen „Pornstar Martini“.
Tobias Cornelius serviert im Ritz-Carlton Vienna immer öfter einen „Pornstar Martini“.

Diese Festlegung auf eine bestimmte Marke ist vor allem insofern spannend, als die Geschmacksunterschiede bei Vodka ja von Haus aus eher subtil sind. Noch einmal Alexander Ludwig: „Mineralische Zusammenstellungen des Wassers sorgen für die größten Unterschiede. Die Verwendung unterschiedlicher Quellen ist für viele Marken maßgeblich für den Geschmack verantwortlich. Unterschwellig kann man feine Unterschiede in den Aromen erkennen, die sich von zitronig bis pfeffrig vor allem für Kenner auszeichnen.“ Eine sinkende Nachfrage verzeichnet Cornelius hingegen bei flavoured Vodkas. Die seien früher deutlich beliebter gewesen als heute. In dieser Richtung habe sich nur der Zitronen-Vodka gehalten, weil sich der vor allem zum Mixen gut verwenden lasse. „Der hat für mich immer noch seine Existenzberechtigung. Sonst ist Vodka ja eine geschmacklich relativ neutrale Spirituose, die dadurch aber eben auch sehr vielseitig einsetzbar ist. Egal, ob pur oder in zahllosen Mixgetränken“, so Tobias Cornelius. Neuester Hype in dem Bereich ist dabei nach seiner Erfahrung der „Pornstar Martini“: Vanille, Vodka, Maracuja, bei Bedarf noch etwas Zucker, das ganze geshaked und mit Prosecco oder Champagner aufgefüllt.

Ähnliche Artikel
Top