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Minus 170 Millionen Krügerl in der Gastronomie

Umsatzeinbußen Gastro Das Bier floss im vergangenen Jahr nur spärlich aus den heimischen Zapfhähnen.
Das Bier floss im vergangenen Jahr nur spärlich aus den heimischen Zapfhähnen.

Die Pandemie und die wiederholten Gastro-Lockdowns haben Österreichs Brauwirtschaft im Jahr 2020 stark getroffen. Während der Inlandsabsatz um 4,0 Prozent (rd. -342.000 hl) auf rd. 8,3 Millionen Hektoliter zurückging und die Exporte um 5,7 Prozent (rd. -79.000 hl) nachließen (Gesamtausstoß: -4,2 % auf rd. 9,6 Mio. hl), ist die Entwicklung in der Gastronomie dramatisch: 2020 wurden rd. 840.000 hl Fass- und Tankbier weniger verkauft als im Jahr zuvor – das entspricht rd. 170 Mio. Krügerl (alle Zahlen jeweils inkl. AF-Bier). „Für den Pro-Kopf-Verbrauch fehlen uns noch die aktuellen Bevölkerungszahlen, aber ich rechne mit einem Konsum von rund 100 Litern pro Kopf“, so Brauereiverbandsobmann Sigi Menz im Zuge der Jahresbilanz-Pressekonferenz des österreichischen Brauereiverbandes. Nach 103,2 Litern 2019 würde das etwa den minus vier Prozent des Inlandsabsatzes entsprechen.

Umsatzeinbußen bis zu 70 %

„Die Pandemie hat uns um gute 20 Jahre zurückgeworfen. Seit 2000 bzw. der Jahrtausendwende war der Inlandsausstoß nicht mehr so niedrig wie im vergangenen Jahr“, zog Menz weiter Bilanz. „Nach mehrmonatigen Lockdowns von Gastronomie sowie Hotellerie, verschärft durch die komplett brach liegende Veranstaltungs und Eventszene, sind viele Brauereien nun an der Grenze des Machbaren angekommen. Während in normalen Jahren rund ein Drittel des Bieres in die Gastronomie fließt, existiert dieser äußerst wichtige Bereich seit Monaten praktisch nicht mehr. Unsere Brauereien haben mit Gesamtumsatzrückgängen von durchschnittlich 20 Prozent zu kämpfen. Einzelne, vor allem kleine und mittelständische Brauereien, die stark im Gastronomie- und Veranstaltungssektor aktiv sind, berichten von bis zu 70 Prozent Einbußen. Die Vielfalt unserer heimischen Bierkultur und damit das Bierland Österreich sind in Gefahr.“

Lager-/Märzenbier weiterhin am beliebtesten

Auch im Corona-Jahr wurde im Inland „Lager-/Märzenbier“ am häufigsten getrunken: Rd. 5,6 Mio. hl bedeuten eine leichte Zunahme von 1 Prozent (+31.395 hl) bzw. mit rd. 68 Prozent Marktanteil Platz 1 unter den Biersorten. Diese Stabilität war bei allen anderen Biersorten (mit Ausnahme von „Leichtbieren“, deren Marktanteil jedoch unter 1 % liegt) nicht gegeben. Rückläufig waren 2020 demnach u.a. „sonstige Vollbiere“ (-175.594 hl bzw. -14 %), „Spezial“ (-62.120 hl bzw. -17 %), „Pils“ (-60.469 hl bzw. -24 %), „Radler mit Alkohol“ (-36.374 hl bzw. -9 %) und „Weizen“ (-28.401 hl bzw. -25 %). Bei der Wahl der Gebinde sticht vor allem der Inlands-Rückgang von Fass- und Tankbier (-839.241 hl bzw. -46 %) ins Auge – geschuldet der geschlossenen Gastronomie sowie fehlenden Festen und Großveranstaltungen. „Das ist ein Minus von 170 Millionen Krügeln“ fasst die Geschäftsführerin des Brauereiverbandes, Jutta Kaufmann-Kerschbaum, die Dramatik der Situation zusammen. Und angesichts des weiteren Lockdowns in der Gastronomie rechne man im ersten Quartal 2021 mit einem weiteren Minus von 70 Mio. Krügeln. Craftbier indes entwickle sich weiterhin stabil, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. „Das ist halt keine Kategorie, die im Homeoffice gewinnt“, wie Sigi Menz es ausdrückte.

Ein Stück Normalität

Menz hofft jedenfalls auf eine Normalisierung der Situation nach Ostern und zeigte sich auch optimistisch, was die Öffnung der Gastronomie in Vorarlberg betrifft: „Jede Initiative, die uns ein Stück Normalität zurückbringt – so etwa auch die in Wien angekündigten öffentlichen Gastgärten – ist willkommen.“

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