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Vorjahrs-Nächtigungen auf dem Wert von 1970

Nächtigungen auf dem Wert von 1970 Die Pandemie und vor allem die damit zusammenhängenden Lockdowns und Reisebeschränkungen haben Österreichs Tourismus zahlenmäßig über 50 Jahre zurückgeworfen.
Die Pandemie und vor allem die damit zusammenhängenden Lockdowns und Reisebeschränkungen haben Österreichs Tourismus zahlenmäßig über 50 Jahre zurückgeworfen.

Im Kalenderjahr 2021 wurden laut vorläufigen Ergebnissen von Statistik Austria 79,57 Mio. Nächtigungen in österreichischen Beherbergungsbetrieben registriert. Damit ist die Zahl der Nächtigungen um 18,29 Mio. bzw. 18,7 Prozent im Vergleich zum Jahr 2020 (97,87 Mio.) gesunken und auf das Niveau des Jahres 1970 (79,52 Mio.) zurückgefallen. Die Zahl der Ankünfte ging 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 2,88 Mio. bzw. 11,5 Prozent auf 22,15 Mio. zurück (ausländische Gäste: -15,6% auf 12,73 Mio.; inländische Gäste: -5,3% auf 9,42 Mio.).


„Coronabedingte Betriebsschließungen und internationale Reisebeschränkungen haben dem Tourismus in Österreich auch im Jahr 2021 stark zugesetzt: Mit knapp 80 Mio. lag die Zahl der Nächtigungen 18,7 Prozent unter dem Wert des ersten Pandemiejahres 2020 und um 48 Prozent bzw. 73 Mio. Nächtigungen unter dem Vorkrisenjahr 2019“, sagt Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Lange Lockdowns als Ursache

Der Gesamtrückgang ist im überwiegenden Ausmaß auf die Monate der Betriebsschließungen (Jänner bis Mai, sowie November 2021) zurückzuführen, wobei in diesen Zeiträumen um 85,6 Prozent weniger genächtigt wurde. Im verbleibenden Zeitraum – ohne Betriebsschließungen (Juni bis Oktober sowie Dezember) – betrug der Rückgang 16,8 Prozent.

Insgesamt verzeichnete die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste ein Minus von 24,6 Prozent auf 49,97 Mio. Die Übernachtungen von Gästen aus Deutschland, dem wichtigsten Herkunftsmarkt, gingen 2021 um 16,6 Prozent auf 32,10 Mio. zurück. Gäste aus den Niederlanden nächtigten um 41,4 Prozent, jene aus der Schweiz bzw. Liechtenstein um 36,6 Prozent weniger in Österreich. Die Nächtigungen inländischer Gäste verzeichneten ein Minus von 6,3 Prozent auf 29,60 Mio. und liegen damit um 1,99 Mio. unter dem Wert des Jahres 2020.

Zahl der Nächtigungen regional unterschiedlich

Der Rückgang gegenüber 2020 war in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während Bundesländer wie das Burgenland (+9,7%), Niederösterreich (+9,4%), die Bundeshauptstadt Wien (+8,9%) und Oberösterreich (+5,2%) jeweils Nächtigungszuwächse im Vergleich zum Vorjahr verbuchten, verzeichneten Salzburg (-31,1%), Tirol (-28,9%), Vorarlberg (-28,3%), Steiermark (-10,6%) und Kärnten (-7,8%) Rückgänge im Vergleich zu 2020.

Bisherige Wintersaison über Vorjahr, aber deutlich unter 2019

In der bisherigen Wintersaison 2021/22 (November und Dezember 2021) wurden mit 9,39 Mio. Nächtigungen deutlich mehr registriert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch die Zahl der Gäste stieg um fast das Siebenfache auf 2,49 Mio. an. Im Vergleich zum ersten Drittel der Wintersaison 2019/20 (November und Dezember 2019) lagen die Nächtigungen um fast die Hälfte (-46,2%) darunter.

Kosten in keinem Verhältnis zum Umsatz

Die aktuellen zahlen lassen die Sorgenfalten bei Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), wachsen: „Die Wertschöpfung sinkt derzeit stetig, die Kosten steigen und stehen – angesichts der geringen Auslastung und der vielen kurzen Aufenthalte – in keinem Verhältnis zu Umsatz und Personalbedarf pro Nächtigung. Unsicherheit und Kurzfristigkeit werden uns noch lange begleiten, dies führt bei vielen Hotels zu einer Anfrage-Stagnation.“ Auch die Verkürzung der Gültigkeit des Grünen Passes mit 1.2.2022 führe erneut zu steigenden Stornierungen, vor allem aus dem Ausland.

Kraus-Winkler: „Viele unserer Betriebe sind angezählt, viele Unternehmen kämpfen gerade jetzt mit großen Cash-Flow-Problemen. Das trifft vor allem die Stadthotellerie und jene Hotels, die derzeit Nebensaison haben und – wegen des Lockdowns und der aktuellen Angst vor Omikron – so gut wie keine Buchungen verzeichnen bzw. auch im Herbst kaum Reserven aufbauen konnten. Der Staat hat bislang zwar das Schlimmste verhindert, aber es ist auch klar, dass wir mit dieser Krise noch lange nicht durch sind.“ Die viel zu frühe Sperrstunde, Mitarbeiterausfälle durch Quarantäne und stark steigende Preise für Lebensmittel und Energiekosten verschärfen die Situation zusätzlich drastisch. „Wir erwarten keine Almosen oder Subventionen, sondern zielgerichtete Unterstützung über das 1. Quartal 2022 hinaus“, sagt Kraus-Winkler. Dringend angehen müsse man die für viele Betriebe noch ausstehenden Auszahlungen von Hilfen sowie praxistauglicherer Richtlinien ohne große Hürden.

Umsätze in Gastronomie und Hotellerie auf Talfahrt

Ein Ende des Abwärtstrends sei leider nicht in Sicht. Denn gemäß den aktuellen Umsatzsteuervoranmeldungen der Bereiche Beherbergung und Gastronomie verbuchen beiden Sparten zusammen von Jänner bis Oktober 2021 ein Minus von 37,2 Prozent, 2020 waren es -27,1 Prozent.

Um die Hotellerie in dieser anhaltend schwierigen Situation auch mittelfristig zu unterstützen, müssten, so Kraus Winkler, bestehende Hilfsmaßnahmen punktgenau angepasst und verlängert werden – wie etwa Ausfallbonus, Verlustersatz, Saisonstartbonus und Kurzarbeit. Flankierend dazu gelte es, langfristige Maßnahmen auf den Weg zu bringen, die für eine Rekapitalisierung und Stabilisierung der Branche sorgen, wie etwa einen Eigenkapitalfonds oder die Verlängerung der Laufzeiten der Überbrückungskredite.

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