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Restaurant im alten Jet

Ata und Chamis al-Sairafi kauften einen alten Jet, um in ihm ein Restaurant zu eröffnen. Fotos oben: Sairafi

Ein ähnliches Projekt gibt es bereits in Graz. Fotos unten: Novapark


Zwei palästinensische Brüder wollen im Westjordanland ein Restaurant in einer ausgedienten Boeing 707 eröffnen. Mit Nova-Air gibt es seit drei Jahren ein ähnliches Projekt in Graz.


Ideen muss man haben. Und Ausdauer. Die 60-jährigen Zwillingsbrüder Ata und Chamis al-Sairafi sind in einem Palästinenserlager bei Nablus aufgewachsen. Eigentlich sind sie Schrotthändler. In den 1990er Jahren hörten sie von einer ausgedienten Boeing 707, die in Tiberias am See Genezareth in Israel ungenutzt herumstand. 1999 kauften sie den alten Jet. Aber nicht, um ihn auszuschlachten, sondern um ein Restaurant in ihm zu eröffnen.

Das war noch das Einfachste

Um es ins Westjordanland zu bringen, brauchten sie Genehmigungen, Spezialfahrzeuge und Straßensperren. Sogar Bäume mussten gefällt werden. Dann kam auch noch die zweite Intifada, also der Palästinenseraufstand, dazwischen. Das Westjordanland ist ja von Isreal besetzt und soll mal Teil eines Palästinenserstaats werden. Dann kam auch noch Corona. Doch heuer konnten sie das Innnere des Flugzeugs herrichten. „Wegen Corona ist unser Restaurant vorerst nur für 35 Besucher ausgerichtet“, sagt Ata al-Sairafi der dpa. „Wir werden unten am Boden eine Küche haben und das Essen mit einem Aufzug nach oben befördern.“ Bis zur Eröffnung improvisieren die Brüder – und verdienen erstmals Geld damit. Das Flugzeug ist schon jetzt eine Attraktion bei den Bewohnern. Sie zahlen Eintritt, um ins Flugzeug zu kommen. Denn einen Flugzeug besitzt das Westjordanland nicht. Sie werden am Boden mit kleinen Snacks an kleinen roten Plastiktischen und weißen Plastikstühlen versorgt. Alles noch sehr rudimentär. Aber so spricht sich die neue Location rasch herum. „Die Leute wollen Selfies vor oder im Flugzeug machen“, erzählt Chamiss al-Sairafi. „Und auch bei Hochzeitspaaren ist das Flugzeug als Hintergrund für die Hochzeitsfotos beliebt.“ Zwei Millionen Schekel (umgerechnet heute rund 530.000 Euro) haben die Brüder bisher in das Unternehmen investiert. Da das Westjordanland nicht gerade ein internationaler Tourismus-Hot-Spot ist, setzen sie auf örtliche Gäste, die einfach mal Lust auf ein Essen in ungewohnter Umgebung haben. In Graz existiert ein ähnliches Projekt: Das Novapark-Hotel in Graz bietet seit drei Jahren in einer ausrangierten Boeing 727-200 ein Restaurant und in einer alten Illjuschin 62 eine Bar und nennt es Nova-Air. Für fünf Euro kann man an Bord gehen. Die ganze Location kann man für 880 Euro mieten. Bis zu 300 Personen gehen maximal rein, wenn nicht gerade Corona ist. www.novapark.at

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