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Palmen, Pasta & Polenta


Ist Tirolerisch geprägtes Deutsch und Italienisch in einem Stimmengewirr zu hören, dann kann man sicher sein: Man ist in Südtirol!


Willkommen

Mit unserer aktuellen Berichterstattung aus Südtirol geben wir unseren Lesern Einblick in ein Land voller Versuchungen und heißen mit dieser Hommage auch unsere neuen Leser herzlich willkommen.

Südtirol scheint von allem etwas zu haben: Berge und Seen für Naturliebhaber und natürlich mit der Seiser Alm auch Europas größter Hochalm. Burgen und Schlösser für mittelalterliche Zeitreisende und Gourmets sind in Südtirol überhaupt bestens aufgehoben und genießen eine interessante Mischung aus bodenständig und mediterran.

Das Tor zu Südtirol

Wo anfangen, wenn man über Südtirol schreiben möchte? Vielleicht am besten in Bozen, das für uns Österreicher erste Anlaufstelle nach der Grenze ist. Zum Start gehört ein Spaziergang durch die Geschäftsstraße, den Lauben, zum Pflichtprogramm. Das Konglomerat aus Tiroler Kuckucksuhren und italienischen Vespa-Modelle in den Schaufenstern symbolisiert das Ambiente ziemlich genau. Was nur noch übertroffen wird vom Gelati-Geschäft, das auch Tiroler Schlutzkrapfen to go anbietet. Und dann ist man auch schon mittendrin in der Bozner Kulinarik, die in den letzten Jahren einen Höhenflug hingelegt hat. Im historischen Zentrum zwischen dem Musterplatz, dem Waltherplatz und der Bindergasse hat sich das Restaurant-Panorama der Stadt um einige Neuheiten erweitert, welche die lokale Gastronomie auf hohes Niveau heben.

Ebenso empfehlenswert ist das Palais Campofranco,

das im erst kürzlich restaurierten Jugendstilgebäude gegenüber des Bozner Doms liegt. In den eleganten historischen Räumlichkeiten und auf der Panoramaterrasse bietet jetzt das META Restaurant & Bar internationale Küche mit starken Experimenten aus regionalen Aromen. www.meta-restaurant.com Auch Die Stadt Brasserie Città befindet sich am Waltherplatz und hier liegt der Fokus auf der Saisonalität der Rohstoffe und auf der Lieferkette der verwendeten Produkte. Vom Norden bis zum Süden werden in der Küche die 20 italienischen Regionen bespielt, präsentiert von einer aus ganz Italien stammenden Brigade um Chefkoch Riccardo Forzan. www.hotel-citta.com/de/brasserie-ger

Genießen von Polenta bis Pasta

So befindet sich in einer der Bozener Lauben heute das kontemporäre „Restaurant 37“. Um die Küche von Chefkoch Matthias Lanz zu genießen, muss man in das oberste Stockwerk des Sportler-Alpin-Flagship-Stores fahren, wo es neben einer traumhaften Aussicht über die Bozner Altstadt auch moderne alpine Küche gibt. Der Gastraum wirkt modern-schlicht, genauso wie die Gerichte auf den Tellern. www.restaurant37.com/

Erdpyramiden am Ritten

Auch wenn man in Südtirol eigentlich ständig essen könnte, gibt es trotzdem noch jede Menge anderer Dinge zu erkunden. Wie das kleine Oberbozen, das hoch oben über der Stadt Bozen thront und keck auf die Stadt herunterschaut. Verbunden mit einer Seilbahn, die im vier Minuten Takt fährt, geht’s einfach rauf und runter, für Gäste ist die Bahn gratis. Im Örtchen Ritten sind die Erdpyramiden das Entscheidende, das man gesehen haben muss. Sie bestehen aus kegelförmig aufgeschüttetem Lehm und den darauf liegenden Felsbrocken und bilden oft bizarre Landschaftsformen. Entstehen können sie in Böden aus späteizeitlichem Moränenlehm, der hier am Ritten vom Eisacktaler Hauptgletscher zurückgeblieben ist und bis zu 25.000 Jahre alt ist. www.ritten.com

Südliches im Vinschgau

Ein Stückchen weiter südlich liegt der Vinschgau oder auch Val Venosta, ein rund 80 Kilometer langes Tal an der Etsch vom Reschenpass bis kurz vor Meran. Mittendrin der Nationalpark und der Ortler als höchster Berg Italiens. In Sulden, auf 1.900 m, hat Reinhold Messner in einer ehemaligen Bergsteigerunterkunft das Museum MMM Ortles zum Thema Eis geschaffen. Unterirdisch und wie eine Grotte angelegt. Fruchtbar wird das eigentlich trockene Tal durch das ausgeklügelte Bewässerungssystem der Waale, die das regenarme Tal bewässern. Was dort ins Auge sticht, sind die endlosen Apfelplantagen und die davor aufgebauten Obststände. Vorrangig werden „Golden Delicious“ angeboten und gemeinsam mit Wein, Käse und Speck ist der Vinschgau ein bisschen so etwas wie der Feinkostladen Südtirols. Die Südtiroler Spezialitäten sind weit über die Grenzen hinaus bekannt und mit dem Qualitätszeichen Südtirol verbrieft– als Marke für Lebensmittel mit gesichertem Ursprung und geprüfter Qualität, die deutlich über dem gesetzlichen Standard liegt. Inmitten von diesen Reben und Obstgärten liegt das Städtchen Naturns, wo aufgrund des Sonnenreichtums der Riesling besonders gut reift und das sogar bis auf 900 Meter. Nicht umsonst wird ihm hier alljährlich ein Festival gewidmet. www.merano-suedtirol.it/de/naturns.html

Der Turm im See

Gleich hinter der österreichischen Grenze, im Dreiländereck, liegt der Reschenpass. Der Blick fällt hier als Erstes auf den Turm im See, der ins Wasser gefallen scheint. Was tatsächlich fast so ist, denn nach der planmäßigen Flutung im Jahre 1950 mussten nicht nur Turm und Kirche, sondern ein ganzes Dorf dem Stausee weichen. Grauner Dorfbewohner erinnern sich noch heute ein wenig wehmütig an den Tag, als der Turm und mit ihm ihr Dorf im See versank. Für Kulturinteressierte stehen im Etschtal drei Schlösser und sechs Burgen zur Auswahl, so auch das Schloss Juval von Reinhard Messner. Seit 1983 ist es sein Wohnsitz und beherbergt mehrere Kunstsammlungen. www.messner-mountain-museum.it

Sisis Spuren

Von dort ist es nicht mehr weit nach Meran, der „Perle Südtirols“, so die einhellige Meinung aller. Und tatsächlich hat diese Stadt etwas ganz Besonderes. Die Zypressen sorgen für mediterranes Flair, während auf den Bergketten der Schnee blitzt. Was auf die Lage der Stadt in einem Talkessel zurückzuführen ist, wo sie durch die hohen Berge vor kalten Winden geschützt ist. So kann sich hier das typische Mittelmeerklima behaupten, was sich besonders deutlich an den subtropischer Pflanzen und Palmen zeigt. Auch hier ist ein Spaziergang durch die Lauben – die ältesten Straße der Stadt – nicht nur Pflicht, sondern reines Vergnügen. Entzückende Geschäfte wechseln mit ebensolchen Restaurants. Eines davon ist das Restaurant Sissi, das unter der kreativen Führung von Andrea Fenoglio zur gehobenen Südtiroler Restaurantkultur zählt . Seine vielfältige Küche zeichnet sich durch den Bezug zu traditionellen Gerichten aus, die Fenoglio als „Küche der Erinnerung“ bezeichnet und die Wahl der Zutaten in den Vordergrund stellt. www.sissi.andreafenoglio.com

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern!

Nämlich, dass die Seiser Alm Europas größte Hochalm ist. Von Kastelruth aus, der Heimat der Kastelruther Spatzen, geht es mit der Seilbahn auf die Alm inmitten des Welterbes Dolomiten. 56 km2 ist sie groß und ihre Höhe reicht von 1.600 bis 2.958 Meter. Sie steht zu weiten Teilen unter Naturschutz, Autos erhalten für die Zufahrt zum Hotel eine Fahrerlaubnis, Wanderer überwinden die Höhenmeter ziemlich bequem mit der Gondel.

Wo Tirol italienisch ist

Das vielleicht Schönste an Südtirol ist der Kontrast aus Tiroler Erdigkeit und der italienischen Leichtigkeit. Zu spüren ist dieser am deutlichsten in Bozen: Mit zweisprachige Straßentafeln, bei der Architektur finden sich rot-weißrote Fensterläden aus Holz einträchtig neben den italienischen Persianen, Prosciutto und Tiroler Speck hängen friedlich nebeneinander und sind doch so verschieden und der allgegenwärtige Cappuccino wird zum Gugelhupf serviert. Hier existieren zwei Länder einmütig nebeneinander. Meran ist da schon eindeutig italienischer, wobei Kaiserin Sisis Spuren dann doch immer wieder sichtbar sind. Und wie sieht das eigentlich mit den Unterkünften in Südtirol aus? Die Hotellerie ist auf sehr hohem Niveau, Whirlpool oder Infrarotsauna auf der Terrasse sind keine Seltenheit und großzügige Zimmer Standard. Auch hinsichtlich der Kulinarik gibt man sich in Südtirol profimäßig: Der Trend zur Regionalität ist auch dort angekommen und man setzt auf die Verbindung bodenständiger Küche mit italienischen Raffinessen. Dem Besucher schmeckt’s! www.suedtirol.info

Wirtschaft

Südtirols Wirtschaft ist durch den Dienstleistungssektor geprägt und hier vor allem durch den Tourismus. Die Tagesausgaben der Touristen betragen durchschnittlich 117 Euro. Neben dem Apfelanbau hat der Weinbau in Südtirol lange Tradition, besonders bekannt sind Vernatsch und Gewürztraminer. Tourismus: Nächtigungen 2019: 33.651.213, ungefähr die Hälfte der Touristenausgaben (56,5%) verbleibt in den Beherbergungsbetrieben. Größte Gruppe sind die Deutschen mit über 44%

Informationen:

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