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Arbeitskräftemangel im Gastgewerbe „hausgemacht“?

Arbeitskräftemangel im Gastgewerbe Im Unterschied zu den AK-Aussagen sind die Antworten von über 1400 Tourismusschülern nach einem Praktikum auf die Frage, ob sie vorhaben, in der Branche zu bleiben, ziemlich positiv.
Im Unterschied zu den AK-Aussagen sind die Antworten von über 1400 Tourismusschülern nach einem Praktikum auf die Frage, ob sie vorhaben, in der Branche zu bleiben, ziemlich positiv.

Wenn es um den „Fachkräftemangel“ geht, gibt es kaum eine Diskussion oder einen Bericht in den Medien, ohne dass darin die Gastronomie- und Hotelbranche vorkommt. Die Knackpunkte, warum immer mehr Menschen erst gar nicht in der Branche arbeiten wollen oder ihr den Rücken kehren, seien aber laut AK OÖ klar erkennbar: „Die Löhne und Gehälter liegen ebenso wie die Arbeitszufriedenheit weit unter den Werten anderer Branchen. Bei Verstößen gegen das Arbeitsrecht hingegen ist die Gastrobranche Spitzenreiterin. Dazu kommt noch die höchste Quote an Lehrabbrüchen im Vergleich mit allen anderen Branchen: Insgesamt 44,6 Prozent der Lehrlinge in diesem Bereich brechen die Lehre vorzeitig (35 Prozent) ab, oder schließen nicht positiv ab“, so Andreas Stangl, Präsident der AK OÖ bei einer Pressekonferenz.

Personalanwerbung im Ausland keine Lösung

Anstatt diese Mängel Schritt für Schritt zu beheben, um am heimischen Arbeitsmarkt attraktiver zu werden, dehne die Branche seit vielen Jahren ihre Personalanwerbung auf immer mehr ausländische Arbeitsmärkte auch außerhalb der EU aus. Die bestehenden Mängel würden so nur verfestigt: Drücken des Lohnniveaus, Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse und die Beibehaltung schlechter Arbeitsbedingungen. „Am wichtigsten sind faire, gesunde und zufriedenstellenden Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten und längerfristige Perspektiven, angemessene Bezahlung und innovative Überlegungen, um die Branche attraktiver zu machen,“ so Stangl.

Die Arbeiterkammer fordert daher u.a.:

  1. Bessere Entlohnung und Bedingungen im Bereich der Gastronomie und Hotellerie sowie faire, gesund und zufrieden haltende Arbeitsbedingungen mit Entwicklungsmöglichkeiten und längerfristige Perspektiven für die Beschäftigten.
  2. Keine Vermittlung des AMS in Betriebe mit systematischen Arbeitsrechtsverletzungen oder Anzeigen beim Arbeitsinspektorat.
  3. Unternehmen sollen im ersten Monat der Arbeitslosigkeit die Kosten für das Arbeitslosengeld übernehmen, um dem „Zwischenparken“ beim AMS entgegenzuwirken und somit Anreize für längere Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen.

AK OÖ „auf dem falschen Dampfer“

Eine Replik auf die Vorwürfe der AK ließ naturgemäß nicht lange auf sich warten: „Eine Themenverfehlung der Sonderklasse“ sieht ÖHV-Generalsekretär Dr. Markus Gratzer in der klischeebehafteten „Analyse“ der AK Oberösterreich zum Tourismusarbeitsmarkt: „Dass Nachfrageschwankungen sich auf den Mitarbeiterbedarf auswirken, wird der AK nicht unlogisch erscheinen“, verweist Gratzer etwa auf Eissalons und Maroniverkäufer.

„Grundfalsch sind die immergleichen Schuldzuweisungen, mit denen die AK pauschal eine Branche anschwärzt und ihren Pflichtmitgliedern die Arbeit vergällt. Oberösterreich hat Vorzeigebetriebe im Tourismus mit hochmodernen Arbeitszeit- und Vergütungsmodellen samt E-Autos für Mitarbeiter. Die AK kann nur undifferenziertes Branchenbashing und hat seit vielen Jahren damit nichts erreicht“, kritisiert Gratzer.

Abgabenlast muss sinken

Arbeitsminister Kocher wies beim ÖHV-Kongress anhand aktueller Daten auf, dass auch in der Krise nicht mehr Menschen die Branche verlassen hätten, und mit dem Ende der Corona-Wirren würde auch die Zahl der Neueintritte sich wieder stabilisieren, so Gratzer. Von der im internationalen Vergleich extrem hohen Abgabenquote von 42,5% (im EU-Durchschnitt sind es 36,4%) finanziere Österreich einen extrem hohen Anteil durch Abgaben auf Arbeit: Laut WIFO-Analyse liegt die effektive Abgabenlast auf Arbeit bei 41,7%. Das sei der zweithöchste Wert in der EU, deutlich über dem Durchschnitt der EU28 von 34,2%. „Setzen wir da an, sehen wir zu, dass die Österreicher wieder mehr in die eigene Tasche statt ins System arbeiten“, empfiehlt Gratzer.

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