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Storytelling im Tourismus: Geschichten machen Lust auf Urlaub

Storytelling Tourismus Roitner
So sollte Storytelling im Tourismus funktionieren: „Echte“ Geschichten aus dem Urlaub machen Lust auf auf das vielfältige Angebot. Reiseblogger vermitteln mit ihren Beiträgen ein lebendiges Stimmungsbild von ihren Aufenthalten.

Authentische Geschichten über Urlaubsdestinationen – spannend erzählt, vor Ort geschrieben und gespickt mit Eindrücken aus erster Hand, dazu noch Fotos, die Stimmung und Atmosphäre transportieren: So könnte Storytelling im Tourismus aussehen, das potenziellen Gästen Lust auf Urlaub macht.

Der Wiener Tourismusexperte Franz Roitner sieht auf diesem Gebiet noch Entwicklungspotenzial für die heimische Branche. GASTRO Portal sprach mit dem Reiseblogger und Gründer der Online-Plattform kurzurlaub.at über Inspiration, das touristische Angebot in Österreich und den Blick hinter die Kulissen.

Storytelling Tourismus Roitner
Der Wiener Tourismusexperte Franz Roitner sieht für Storytelling im Tourismus noch Entwicklungspotenzial.

GASTRO Portal: Storytelling im Tourismus soll Interesse bei potenziellen Gästen wecken. Sie setzen dieses Konzept mittels eines Magazins auf der Buchungsplattform kurzurlaub.at um. Wie sehen Ihre Erwartungen und/oder Zielsetzungen bezüglich des Magazins aus?

Franz Roitner: Mit dem Magazin auf kurzurlaub.at vermitteln wir zusätzliche Gäste an österreichische Hotels. Das Portal basierte von Anfang an auf der Suche nach Reisethemen. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und inspirieren mit Geschichten und Bildern. Das Ziel ist ganz klar: Am Ende soll ein Urlaub in Österreich gebucht werden.

Wie kamen Sie auf die Idee, es umzusetzen?

Bei Gesprächen mit Hoteliers und mit Tourismusorganisationen bin ich immer wieder überrascht, wie vielfältig das touristische Angebot in Österreich ist. Das wird meines Erachtens viel zu wenig kommuniziert. Auf Buchungsplattformen geht es meistens nur um den günstigsten Preis. Wir sind dabei das zu ändern und erzählen vom Urlaubsland Österreich.

Wie sieht das ideale Storytelling im Tourismus Ihrer Ansicht nach aus?

Die Zeit der klassischen Werbetexte und bearbeiteten Hochglanzfotos ist einfach vorbei, meiner Meinung nach interessiert das niemanden mehr. Die Leser wollen echte“ Geschichten hören und echte“ Bilder sehen. Sie wollen zum Beispiel Einblick hinter die Kulissen haben, den Koch sehen, der die Speisen zubereitet, und nicht nur das angerichtete Buffet. Im Magazin von kurzurlaub.at haben wir mittlerweile 45 Geschichten online. Unsere Blogger stehen dabei im Mittelpunkt und erzählen aus ihrer Sicht der Dinge. Das Wetter ist nicht immer schön und eine Radtour oft auch anstrengend, aber genau das macht Storytelling aus. Authentizität ist gefragt.

Welche Zielgruppe soll mit kurzurlaub.at angesprochen werden? Was genau wird vermarktet?

Derzeit vermarkten wir über 3000 Arrangements von rund 470 österreichischen Hotels. Wir vermitteln nicht bloß Zimmer, sondern ein Urlaubserlebnis, oftmals mit Zusatzleistungen wie Massagen, Eintrittskarten oder einem Candle-Light-Dinner. Wir sprechen Gäste an, die einen Urlaub in Österreich machen wollen, aber noch nicht wissen, wohin. Am schönsten ist es, wenn Gäste keinen Urlaub geplant haben und wir Impulse zu einer Buchung gegeben haben.

Sechs Reiseblogger berichten im Magazin von ihren Aufenthalten. Wie wurden diese ausgewählt? Weiters betreiben Sie auch die Plattform reiseblogger.at. Wie wird man in dieses Netzwerk aufgenommen?

Ich fange mit der letzten Frage an. Ich persönlich bin im Jahr 2010 mit meinem Reiseblog reisedoktor.com gestartet. Um mich mit anderen Reisebloggern auszutauschen, habe ich das Netzwerk „Reiseblogger Österreich“ ins Leben gerufen. Dieses steht allen österreichischen Reisebloggern offen. Die Bandbreite der Reiseblogger ist sehr groß, manche berichten zwei bis drei Mal pro Jahr von privaten Urlauben, andere versuchen, sich mit ihrem Blog selbstständig zu machen und davon zu leben. Für mein Magazin auf kurzurlaub.at habe ich Blogger ausgewählt, die einen starken Bezug zum Urlaubsland Österreich haben und auch auf ihren Blogs darüber schreiben.

Als Reiseblogger „Reisedoktor“ berichten Sie selbst in Text und Bild von Ihren Reisen um die ganze Welt. Wie kamen Sie auf die Idee, diese Plattform umzusetzen?

Ich reise seit mehr als 25 Jahren und habe ein riesiges Foto-Archiv. Auf reisedoktor.com habe ich begonnen, das aufzuarbeiten. Im Jahr 2010 schrieb ich dann das erste Mal vor Ort, stellte Blogbeiträge online und teilte diese auf den Social Media Kanälen. Mit 128.000 Facebook Fans und rund 75.000 Newsletter Abonnenten erreiche ich mittlerweile mehr als ein Prozent der Österreicher, die mir demnächst virtuell nach Mumbai folgen werden.

Wie wurden Sie selbst Reiseblogger?

Die Lust aufs Reisen kam schon in der Kindheit. Einmal im Jahr fuhren meine Eltern mit mir und meinen Geschwistern nach Italien ans Meer. Das war in den 70er Jahren keine Selbstverständlichkeit. Nach meiner Tourismusausbildung in Klessheim arbeitete ich zuerst in einem Incomingbüro, später bei einem Reiseveranstalter, und dann machte ich mich im Jahr 2000 mit einem Internetcafe im Zentrum von Wien selbständig. Danach verknüpfte ich mein touristisches Wissen mit den Erfahrungen im Internet, und die ersten Web-Portale gingen im Jahr 2001 online.

Inwieweit binden Sie die sozialen Netzwerke in Ihr Online-Magazin ein?

Veröffentlicht werden die Texte auf der Seite kurzurlaub.at. Zusätzlich teilen wir die Beiträge auf den gängigen Social-Media-Kanälen Facebook, Google+ und Twitter. Die Storys müssen raus zu den Leuten!

Informationen zum Netzwerk „Reiseblogger Österreich“: www.reiseblogger.at

 

One thought on “Storytelling im Tourismus: Geschichten machen Lust auf Urlaub

  1. Die Zeit der klassischen Werbetexte ist definitiv vorbei. Die Frage ist, ob Storytelling tatsächlich die Nachfolge antreten kann. Denn eine Geschichte ist nicht per se spannend. Oder -um es mit Wolf Otto Pfeifer zu sagen-: «Nicht jede Erzählung ist auch eine Geschichte». Ich sehe Ihre Reiseberichte denn auch weniger als Geschichte. Sondern als spannenden und authentischen Erlebnisbericht. Und das interessiert die Leute in der Tat. Was ja auch die Zahl Ihrer Fans und Follower eindrücklich bestätigt.

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