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Neuer Tourismus-Trend: Öffis werden wichtiger

Öffis Tourismus BÖTM
Diskutierten spannende Veränderungen im Reiseverhalten von Touristen: ÖW-Region-Manager Deutschland Oskar Hinteregger, Tourismusberater Helmut Zolles, ÖW-Markt-Managerin Schweiz Carmen Breuss, Geschäftsführer OÖ-Werbung Karl Pramendorfer und BÖTM-Präsident Josef Schirgi (v.l.)

Der Tourismus unterliegt einem steten Wandel. Der Bundesverband Österreichischer Tourismusmanager (BÖTM) lud seine Mitglieder zu einem Branchengespräch, in dessen Rahmen die Konsequenzen gesellschaftlicher Veränderungen diskutiert wurden. Im Mittelpunkt des Seminars stand die Neuorientierung im Verkehrswesen. Umbrüche im Alltag haben auch Auswirkungen auf das Urlaubsverhalten. Welche Wege wird der Gast der Zukunft beschreiten, wenn immer mehr Menschen in urbanen Ballungszentren leben? Wie werden Gäste reisen, wenn immer weniger Menschen ein Auto besitzen? 70 Tourismusmanager aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien trafen sich mit Experten zum jährlichen Diskurs.

Neueste Studien der Österreich Werbung belegen: Das Auto verliert an Bedeutung. „In Zürich und Basel haben 50 Prozent der Haushalte kein eigenes Auto mehr“, weiß Carmen Breuss, Markt-Managerin der Österreich-Werbung für die Schweiz. Es zeichne sich eine Renaissance des Busverkehrs ab, aber auch Car-Sharing erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Wer kein eigenes Auto hat, leiht sich kurzfristig eines aus. „Bereits jeder zehnte Züricher nützt das Car-Sharing“, so Breuss. Ein Trend der sich europaweit immer mehr durchsetzt. Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf die zunehmende Verstädterung. Gerade im Hauptmarkt der Tourismusbranche zeichnet sich diese Veränderung deutlich ab. „85 Prozent der Deutschen leben bereits in Städten“, berichtet Richard Bauer, Bereichsleiter der Österreich-Werbung für Partnermanagement. Der Zuzug in die Städte hält an. „Der Gast der Zukunft wird ein städtischer Gast sein“, so der Experte.

Die Frage der Mobilität müsse aber weit über das Car-Sharing hinausgedacht werden. Denn immer mehr Menschen haben keine Fahrerlaubnis. „77 Prozent der unter 21-jährigen in Baden-Württemberg haben keinen Führerschein“, zitiert Bauer eine aktuelle Studie. Für Menschen aus urbanen Ballungszentren gewinnen die öffentlichen Verkehrsmittel immer mehr an Bedeutung. Deshalb müssen die Tourismusdestinationen die Frage der Mobilität anders lösen als bisher, denn der Gast will auch vor Ort weiterhin mobil sein.

Öffis im Tourismus: Kooperation auf allen Linien

Diese Entwicklung sieht der Trendforscher Oliver Puhe als große Chance für den Tourismus. Die neue Form der Mobilität soll künftig als erweiterte Dienstleistung genutzt werden. „Der gesamte Ablauf der Reise kann neu inszeniert werden. Der Urlaub beginnt mit der Abreise“, so Puhe. Touristiker müssen sich eine durchgängige Transportkette überlegen und buchbare Gesamtleistungen schaffen. Die Veränderung der Mobilität bedeute auch, dass auf die Tourismusorganisationen künftig ganz neue Aufgabenfelder zukommen. „Tourismusverbände werden sich in den nächsten zehn Jahren neu erfinden müssen“, prophezeit Puhe. Die Entwicklung gehe von der reinen Marketingorganisation hin zu Managementorganisationen, die ganze Dienstleistungsketten für den Gast organisieren. „Wir müssen weg vom Nächtigungsdenken hin zu Kooperationen auf allen Linien.“

Lösungen, die das ganze Netzwerk betreffen, sind daher gefragt. Ein noch ungenütztes Potential sehen die Experten in den unzähligen Gästedaten, die in den Karteien der Tourismusverbände und Betriebe liegen. „Die Tourismusbranche besitzt Kundendaten, von denen die Industrie nur träumen kann“, meint Oskar Hinteregger, Region-Manager Deutschland bei der Österreich-Werbung. Gäste legen ihre Wünsche und Bedürfnisse offen, man wisse wann sie ankommen und wann sie wieder abreisen. Diese Informationen sollen genutzt werden, um den Service weiterzuentwickeln. „Wir haben kein Vermarktungsproblem, aber wir müssen das Produkt nach innen verbessern“, so Hinteregger. Die Gästedaten seien das Thema des Tourismus der Zukunft. Offen blieb die Frage, wie diese Daten aufbereitet werden sollen. „Digital hilft, aber Analog entscheidet“, gibt Beat Krippendorf, Dozent für Dienstleistungsmarketing, zu bedenken. Im digitalen Zeitalter gewinnt das Prinzip der Menschlichkeit immer mehr an Bedeutung. Die Zeit der rein ökonomischen Ausrichtung sei vorbei, soziale Werte steigen wieder. „Die persönliche Ansprache findet man auf keiner App“, so Krippendorf abschließend.

Der Bundesverband Österreichischer Tourismusmanager (BÖTM) ist die Interessensvertretung der Kur- und Tourismusmanager in Österreich. Der BÖTM bezieht Stellung zu  wichtigen Fragen im Tourismus, bietet umfassende Möglichkeiten zur Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch für seine Mitglieder und diskutiert Entwicklungen im Tourismus. Nähere Informationen sind unter www.boetm.at zu finden.

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